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Montag, 8. Oktober 2007

Im Netz liegt die Zukunft des Gedruckten

Die Online-Offensive kommt den Internet-Nutzern zugute – doch wie sieht die Zukunft der Medien aus? Eine Bestandsaufnahme mit Blick in die Zukunft.

In drei, vier oder fünf Jahren werde man mehr Leser als der gedruckte "Spiegel" haben, so skizziert der Chefredakteur von Spiegel Online, Mathias Müller von Blumencron, die vielversprechende Zukunft seines Mediums. Bis vor kurzem hätten Medienmacher und Kollegen Blumencrons Prognose als schwarzmalerisch gegenüber dem gedruckten Magazin empfunden.

Online first

Jetzt handelt es sich um eine in der Medienbranche akzeptierte Meinung: Online überholt Print. Und so paradox es klingt: Um das eigene Fortbestehen zu sichern, müssen die Printtitel den flotten Internet-Angeboten sogar noch den Treibstoff für das Überholmanöver liefern – nämlich die Inhalte. "Online first" lautet die Formel, alle Nachrichten sollen zuerst online veröffentlicht werden. Als Vorreiter für diese Praxis gilt in Deutschland die Tageszeitung "Die Welt" aus dem Springer Verlag. Ausgerechnet der eher für seinen bürgerlich-konservativen Habitus bekannte Springer Verlag verkündete Ende 2006 "fast eine Revolution" und publiziert mit diesem Blatt alle Inhalte zuerst im Internet. Im Ausland praktizieren nur einige US-Zeitungen Online first schon länger. In Großbritannien geben seit letztem Sommer der "Guardian" oder die "Times" bei heißen News dem Web den Vorzug.

Digitales Wachstum

Die großen Gewinner dieser Online-Offensive sind zunächst mal die Internet-Nutzer: Sie erhalten oft einige Stunden vor der gedruckten Zeitung hochwertige Informationen kostenlos auf den Bildschirm. Macht man sich damit beispielsweise beim Springer Verlag nicht das Zeitungsgeschäft kaputt? Der Chefredakteur von Welt Online und der "Welt am Sonntag", Christoph Keese, ist überzeugt davon, dass dies nicht der Fall ist: "Zeitungen und Websites kannibalisieren sich nicht gegenseitig. Unser Wachstum im Internet steht nicht im Widerspruch zum Erfolg der Zeitungen. Wir verschenken online keine Inhalte, sondern wir bieten sie dem interessierten Publikum an. Je mehr Menschen wir für uns gewinnen, desto erfreulicher entwickelt sich das Anzeigengeschäft."

Und das Publikum im Netz wächst und wächst. Rund 60 Prozent der Bevölkerung – absolut etwa 39,2 Millionen Deutsche über 14 Jahre – nutzen laut (N)Onliner Atlas 2007 das Internet und dort gerne auch die Angebote von klassischen Zeitungen und Zeitschriften. Auch der Werbemarkt im Netz boomt. Etwa 8,7 Prozent beträgt 2006 der Anteil der Online-Werbung am Werbemarkt. Im Vergleich dazu positionieren sich Zeitschriften (20,9 Prozent) und Zeitungen (24,1 Prozent) noch relativ gut.

Großer Werbekuchen

Der gesamte Werbekuchen ist 1,9 Milliarden Euro groß. Dieser Kuchen wird aber in den kommenden Jahren nicht mehr wesentlich größer werden und ist außerdem abhängig von der konjunkturellen Entwicklung. Die Prognosen für den Online-Bereich gehen indes weiterhin nach oben, die Werbeanteile werden sich weiter zugunsten dieser Mediensparte verschieben. Allerdings buhlen im Internet viele Bewerber um die Werbemilliarden. Einer davon ist etwa Google. Die Suchmaschine soll 2006 bereits 750 Millionen Euro Umsatz mit Online-Werbung in Deutschland erzielt haben. "Das ist mehr als der gesamte Werbeanzeigenumsatz der überregionalen Qualitätspresse in Deutschland", erläutert der Berliner Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht.

Pfründe sichern

Für die Verlage geht es nun vor allem darum, sich ihre Pfründe im Internet zu sichern. Auch bei der führenden deutschen Tageszeitung im Internet, Sueddeutsche.de, rüstete man daher Anfang 2007 auf: "Wir haben erkannt, dass wir in den vergangenen Jahren vielleicht zu zögerlich waren", sagt Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. "Wir haben beobachtet, dass bei der Konkurrenz kräftig investiert wird und viel zusammenwächst. Und zum anderen sahen wir die sehr guten Prognosen im Online-Werbemarkt." Die Münchner verdoppelten nicht nur ihre Redaktion auf rund 25 Redakteure, sondern sie gestalteten zugleich ihre Seite neu.

Qualitätsjournalismus

Die Strategie im Netz basiert auf altbewährten Tugenden, wie Jakobs erklärt: "Unsere grundlegende Erkenntnis war, dass man dieses Potenzial im Web am besten mit Qualität ausschöpfen kann – mit einem Qualitätsjournalismus, der auch online der gedruckten Zeitung entspricht." Ähnlich wie der Süddeutsche Verlag handeln mittlerweile Dutzende Verleger in Deutschland: Sie haben einerseits die Gefahren, die das Internet beispielsweise für das Anzeigengeschäft hat, erkannt. Und andererseits wollen sie nun die Möglichkeiten dort nutzen und investieren in Personal und Websites. Der Großverleger Dirk Ippen beschreibt die zwiespältige Situation seiner Gilde so: "Das Internet ist ein Serienkiller und ist für alle Massenmedien beides: Eine Gefahr und eine große Chance, die größte Medienrevolution seit Gutenberg vor 550 Jahren." Ab ins Internet, lautet Ippens Devise: "Unsere einzige Chance ist doch, unsere Reichweiten und unsere guten Inhalte – Text wie Werbung – auch auf digitalen Wegen zu verbreiten."

Anspruchsvolles Publikum

Allein diese Einsichten reichen allerdings noch nicht. Um im Internet erfolgreich zu sein, müssen sich Journalisten den dort herrschenden Spielregeln anpassen. Nicht nur dass es dort endlos viel Raum zum Publizieren gibt, dass Texte mit Bildern und Videos, multimedialen Angeboten und Hypertext verknüpft werden, auch Redaktionsschluss und Sendezeiten spielen keine Rolle mehr. Das crossmediale Publizieren – das gleichzeitige Produzieren von Medieninhalten für verschiedene Medienträger – will gelernt sein. Nicht wenige Verlage beginnen aber erst jetzt, sich ernsthaft und engagiert damit zu beschäftigen. Auch das Publikum ist nicht mehr so pflegeleicht wie im Printbereich: Es ist mitunter verwöhnter – es erwartet sofortige Berichterstattung und Einordnung von Ereignissen, es wünscht einen besonderen Nutzwert von den Inhalten und es kann oftmals sehr wählerisch sein: "Wenn Du mir die gewünschten Informationen nicht bietest, finde ich sie eben an der nächsten Ecke selber", mag sich mancher Nutzer denken, Google macht's möglich. Wenn etwas schief läuft, werden in wenigen Minuten beispielsweise Beschwerde-E-Mails oder gar Einträge in Foren oder Weblogs geschrieben. Aus vielen Lesern sind aktive Netznutzer geworden, die selbst im Netz publizieren und recherchieren können.

Taschenspielertricks

Grund sich über journalistische Leistungen zu beschweren gibt es im Netz leider immer wieder. Unter Konkurrenz- und Zeitdruck leiden mitunter journalistische Qualitätsstandards. Der Journalismus im Netz genießt daher unter Journalisten noch ein geringes Ansehen. Mutwillig tragen oft die hehren Prediger des Qualitätsjournalismus selbst zu diesem schlechten Image bei. Die Autoren der Studie "Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet" der Friedrich-Ebert-Stiftung stellten etwa fest: "Die wenigsten Klicks der verlegerischen Sites gehen auf redaktionelle Inhalte zurück. Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten." Das Gros der Klicks sei dem Einsatz von Bildergalerien, dem Zugriff auf Wertpapierdepots, Partnerbörsen, Aktienkurs-Abfragen, Job-Datenbanken geschuldet, die allesamt in die Klickstatistik einfließen.

Die Autoren Steffen Range und Roland Schweins bezeichnen dieses Verhalten als "Taschenspielertricks". Kein guter Weg, um sich als Printmedium im Netz zu etablieren. Dabei wäre das doch nötiger denn je. Denn an von Verlegern gerne lancierte Durchhalteparolen wie "Print wird nicht sterben!", "Print hat Zukunft!" glauben nur noch die allerwenigsten. Die Zukunft prägen, so darf man gemeinhin annehmen, vor allem die "jungen Leute". Und denen ist Print gelinde gesagt egal: Laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest können unter den 12- bis 19-Jährigen nur zwei Prozent am wenigsten auf Zeitungen und nur vier Prozent am wenigsten auf Zeitschriften verzichten; das Internet (19 Prozent) und der Computer (26 Prozent) haben hingegen eine ungemein hohe Bindung. Die Zukunft von Print findet wohl online statt.

Dieser Beitrag erschien bereits am 03.09.2007 im Magazin euro|topics, einem Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung.

Weitere Artikel zum Thema

"Rule online, Britannia?"
Wie sich die britische Zeitungsbranche den digitalen Herausforderungen stellt. "FAZ" vom 06.10.2007.

"Online versus Print – ein Verdrängungswettbewerb?"
Überflügelt das Internet die traditionellen Medien? euro|topics vom 03.09.2007.

Presse zum Anklicken“
Im Internet funktioniert Journalismus anders als in den klassischen Medien. Deutschlandradio Kultur, Radiofeuilleton: Elektronische Welten vom 16.08.2007.

"Qualitätsjournalismus nach sueddeutsche.de-Art"
Das führende Internet-Angebot unter den Tageszeitungen, sueddeutsche.de, sieht sich dem “Qualitätsjournalismus im Netz” verplichtet. Die dort praktizierte Jagd nach den Klicks symbolisiert jedoch eher das Elend des Netzjournalismus. "Berliner Journalisten" vom September 2007, (PDF, 456 KB)

Mittwoch, 21. September 2005

Schwer ist leicht was – Wenn Journalisten auch noch bloggen müssen …

Für Telepolis habe ich den Artikel "Schwer ist leicht was – Wenn Journalisten auch noch bloggen müssen …" veröffentlicht.

Reaktionen zu diesem Artikel finden sich im Telepolis-Artikelforum und in den Blogs Indiskretion Nebensache, netzausfall, Rebellen ohne Markt, Gastauftritt.net, Schlagzeilen, Journalie [sic!] [Die Kritiker], kühlschranknotizen, bon anza Rundschau, ge-blog-t, Bemerkenswertes, 42 und Schockwellenreiter.

Ich bleibe am Thema dran.

*** Update 22.09.2005: Bei den Herren Lumma und Schmidt (Bamblog) wird über ein Interview der "Leipziger Volkszeitung" mit dem Journalistikprofessor Marcel Machill diskutiert, das Interview hat die vielsagende Überschrift "Pseudojournalismus".

Freitag, 12. August 2005

Buchbeitrag "Online-Journalismus" (1998)

Mrazek, Thomas: "Online-Journalismus" In: Peter Glotz (Hrsg.): Die Benachrichtigung der Deutschen. Aktuelle Fernsehberichterstattung zwischen Quoten- und Zeitzwang. Frankfurt am Main 1998, S. 203-218.

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PDF (57 kb)

Magisterarbeit: "Internet und Journalismus – Auswirkungen eines neuen Mediums auf den Journalismus" (1998)

Magisterarbeit von Thomas Mrazek:
"Internet und Journalismus – Auswirkungen eines neuen Mediums auf den Journalismus"
Umfang ca. 123 Seiten, eingereicht im Juni 1998 bei Peter Glotz, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IFKW) der Ludwig-Maximilians-Universität, München

Download-Möglichkeiten Abstract

Abstract aus der Zeitschrift "TRANSFER" 2/99 der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V. (DG PuK).

"Internet und Journalismus – Auswirkungen eines neuen Mediums auf den Journalismus"

Die Arbeit soll das aktuelle Verhältnis zwischen Journalismus und Internet möglichst umfassend analysieren und zugleich eine Prognose auf zukünftige Entwicklungen bieten.

Im ersten Teil erfolgte eine knapp gehaltene Darstellung des Internet und der Versuch einer kommunikationswissenschaftlichen Einordnung dieses Mediums. Im zweiten Teil wurde auf die Berühungspunkte zwischen Internet und Journalismus eingegangen. Neben einer ausführlichen Darstellung zum Online-Journalismus wurden im folgenden Teil die Nutzungsmöglichkeiten und Gefahren des Internet als Recherche-Werkzeug für Journalisten traditioneller Medien aufgezeigt. Die Leitfragen der weiteren Kapitel lauteten: Gefährdet das Internet die Urheberrechte der Journalisten, und wird das Internet zu einer Konkurrenz für den Journalismus.

Da es sich um eine explorative Arbeit handelt, wurde die qualitative Befragungstechnik verwendet. Für die deskriptiven Teile der Arbeit, die direkt auf das Verhältnis zwischen Internet und Journalismus eingehen, wurden jeweils zehn Experten aus der journalistischen Praxis um ihre Einschätzung gebeten. Die problemzentrierte Befragung der Experten erfolgte aufgrund von Arbeitshypothesen. Am Ende dieser Kapitel erfolgte jeweils eine interpretative Zusammenfassung der Experteninterviews und eine Zusammenfassung des Autors.

Das wichtigste Ergebnis der Arbeit lautet: Die Auswirkungen des Internet auf die journalistische Profession werden nicht dramatischer Natur sein. Dennoch appelliert der Autor an die Journalisten, in Zukunft offener, kritischer und kreativer als bisher mit diesem Medium umzugehen.

Samstag, 5. März 2005

Artikel im "journalist": Google sei mit uns

google_sei_mit_unsDer nachfolgende Artikel ist im "journalist", 3/2005, S. 48-49, erschienen.

Google sei mit uns

Suchmaschinen leiten zunehmend auch bei der Nachrichtensuche die Nutzerströme im Internet. Journalistische Regeln spielen bei Angeboten wie Google News kaum eine Rolle. Die traditionellen Medien können sich diesem Trend nicht entziehen.

Von Thomas Mrazek

Dass die populärste Suchmaschine der Welt als Lachnummer herhalten muss, passiert selten. Im September 2002 war es so. Google startete in den USA mit den Google News. Dieser so genannte News-Aggregator stellt aus ausgewählten Quellen eine ständig aktualisierte Nachrichtenauswahl zusammen. Die Auswahl basiert laut Google "ausschließlich auf Computeralgorithmen und ohne das Eingreifen von Menschen“. Bei einer Suchanfrage zur Bundestagswahl lieferte Google News damals Meldungen der iranischen Agentur IRNA und der "China Daily“ als wichtigste Nachrichtenquellen. Die Netzeitung höhnte: "Eigentlich ein schöner Beweis für die Unfähigkeit von Maschinen, sich als Journalisten zu betätigen. Diese virtuelle Absurdität macht schon wieder Spaß.“

Auf die Schadenfreude folgte Staunen. Google gelang es rasch, die gröbsten Schnitzer zu beheben. Mittlerweile gibt es den News-Service in mehr als 20 Ländern und seit Sommer 2003 auch in Deutschland. Das Angebot gehört zu den zehn meistgenutzten Nachrichtenplattformen im Internet. Auf den vorderen Plätzen befinden sich mit großem journalistischem Personalaufwand betriebene Seiten, etwa T-Online, Spiegel Online, Focus Online.

Für die deutsche Ausgabe von Google News werden 700 Seiten kontinuierlich durchsucht. Die Quellen reichen vom "Landboten“ über das "Trostberger Tagblatt“, Spiegel Online, "Film Dienst“, Südtirol Online bis hin zu PR-Angeboten wie etwa bei bundesregierung.de. Auf der Übersichtsseite der Google News erscheinen die Überschriften, zum Teil die Anreißertexte und ab und zu verkleinerte Bilder. Durch die ständige Aktualisierung bietet die Seite für den Besucher stets ein anderes Bild. "So können Sie beobachten, wie verschiedene Nachrichtenunternehmen über den gleichen Sachverhalt berichten“, heißt es auf der Google-Seite. Die Auswahl werde ohne Bezug auf politische Standpunkte oder Ideologien getroffen. Welche Websites nun relevant sind welche nicht, basiere "auf vielen Faktoren, wie beispielsweise die Häufigkeit und die Websites, auf den die Beiträge anderen Stellen im Web angezeigt werden“.

Geheimniskrämerei
Wie und wann Nachrichten durch Google gewichtet und platziert werden, ist selbst für Nachrichtenprofis kaum zu erkennen. Der Chefredakteur des Internet-Angebots der Deutschen Welle (DW-World.de), Holger Hank, fühlt sich an die berühmte Coca Cola-Rezeptur erinnert: „Die Feinheiten des Googleschen Page-Rankings erscheinen geheim und rätselhaft.“ Die Einordnung seiner Website kann er nicht einschätzen: „Warum einmal eine Geschichte von uns zum Aufmacher wird und dann wieder nicht: Wer weiß das schon?“

Hank hält zudem den Themenmix im Vergleich zur amerikanischen Version oft für „etwas bizarr“: „Wichtige Nachrichten tauchen manchmal erst mit großer Verspätung auf der Seite auf – und dann auch nicht in der Top-Position.“ Auch Markus Beiler, Medienwissenschafler an der Universität Leipzig, moniert, dass die Nachrichtenauswahl "nicht transparent und intersubjektiv nachvollziehbar ist“. Beiler, der sich in seiner Promotion mit News-Search-Engines beschäftigt, befürchtet zudem eine "uniforme Berichterstattung“: "Die Selektions- und Rankingkriterien der Nachrichten-Suchmaschinen bevorzugen Meldungen von Nachrichtenangeboten, die ganz Ähnliches bringen wie die breite Masse.“ Dadurch könne etwa eine Lokalzeitung, die nur dpa-Meldungen übernehme und keine eigenen journalistischen Leistungen erbringe, "sehr hoch gerankt und dadurch von den Nutzern wahrgenommen werden.“

Fest verankert
Für die Münchner Journalistin Katja Riefler ist Google in Deutschland "innerhalb relativ kurzer Zeit zu einem Synonym für ‚Suche im Internet’“ geworden. Eine Suchmaschine anzuwählen, sei im Verhalten der Nutzer bereits fest verankert – wie die morgendliche Zeitungslektüre bei Zeitungslesern. Riefler, die Zeitungsverlage im Bereich neue Medien berät, hat bei Zeitungen in den USA eine "ziemliche Beunruhigung“ erkannt: "Google News und anderen Nachrichten-Aggregatoren kommt allein deshalb eine wachsende Bedeutung zu, weil die Nutzer die Suchmöglichkeiten auch zum Auffinden lokaler Nachrichten verwenden. Auch in Deutschland haben Suchmaschinen bereits lokale Suchmöglichkeiten im Beta-Test.“

Bei Google wird derzeit zwar nur an einem lokalen Branchenverzeichnis gearbeitet, doch der Suchprimus hat seine Schnelligkeit schon öfter bewiesen. Wer seine redaktionell erstellten Inhalte nicht frei anbiete, könne schnell ins Hintertreffen geraten, sagt Riefler: "Wenn etwa bei der Suche nach einem Mannheimer Thema keine Artikel des 'Mannheimer Morgens’ mehr angezeigt werden, weil diese nur Abonnenten zugänglich sind, dann besteht die Gefahr, dass das Medium als mögliche Quelle aus den Köpfen der Nutzer komplett verschwindet.“

Holger Hank sieht es ähnlich: „In den USA freuen sich die meisten News-Anbieter über die Abrufe via Google und Yahoo. Doch das gilt nur für die Sites, die ihre Artikel ohne Registrierung und Pay-per-View anbieten.“ Andererseits könnten die News-Portale in größere Abhängigkeit von Google News und ähnlichen Angeboten geraten: "Muss ich als Online-Anbieter einmal zahlen, um bei Google News vorne dabei zu sein?“ Der Pressesprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, verneint diese Absicht: "Unser News-Service bleibt weiterhin weiterhin werbefrei“. Auch ein kostenpflichtiger Ausschnittdienst (Clipping-Service) sei nicht geplant.

Wichtigster Trend
Vorne dabei sein mit seiner Website möchte Michael Maier. Der Chefredakteur und Geschäftsführer der Berliner Netzeitung hält die automatische Erfassung von Nachrichten für "den wichtigsten Trend der sich derzeit im Internet-Journalismus abzeichnet.“ Die Leistung von Google News sei "fantastisch“. Die Suchmaschine diente Maier als Vorbild für die eigene News-Suche, die er seit den US-Wahlen unter newsimweb.netzeitung.de anbietet. "Dazu haben wir mehr als 300 Nachrichtenquellen kategorisiert und nach ihrer Wichtigkeit und Relevanz geordnet“, sagt Maier.

Sein Konzept hält er für das bessere: "Was mich bei Google News, bei aller Bewunderung der Technologie, stört: Es ist Kraut und Rüben in der Gewichtung. Algorithmen reichen nicht zur wirklichen Nachrichten-Bewertung aus.“ Mit dem zusätzlichen Angebot möchte Maier auf veränderte Wünsche der Leser reagieren: "Das Internet-Verhalten der Nutzer ist jetzt ein viel integrativeres; er liest nicht nur eine Seite, sondern er liest mehrer quer.“ Ängste, dass ihm Leser abhanden kommen könnten, hat er nicht: "Warum soll der Leser nicht den Hinweis erhalten, was der 'Spiegel’, die 'FAZ’ oder die Tagesschau zu einem Thema berichtet?“ Maier schätzt, dass sich die Zugriffszahlen seiner Website dadurch um 15 bis 20 Prozent gesteigert haben.

Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von Spiegel Online, Deutschlands erfolgreichstem Online-Nachrichtenmagazin, ist noch zurückhaltend: "Die News-Suche der Netzeitung ist ein interessanter Ansatz, den wir aber erst mal nicht gehen werden.“

Andere Portale sehen in der Nachrichten-Suche ein attraktives Geschäftsfeld. Microsoft Deutschland testet noch seinen MSN Newsbot; Yahoo Deutschland startete im September 2004 mit 950 Quellen "die umfangreichste Nachrichtensuche in Deutschland“; web.de reihte sich im Dezember unter die Newsfinder.

Bei allen Angeboten entdeckt man immer wieder kleine Unzulänglichkeiten, unerklärbare Einordnungen oder nicht deutlich von journalistischen Inhalten getrennte PR-Mitteilungen. Diese Mängel sind technisch weitgehend lösbar; die Anbieter werden ihre Dienste bei zunehmendem Konkurrenzkampf weiter perfektionieren. Und die rasche Entwicklung wird die Anbieter journalistischer Inhalte dazu zwingen, ihre Angebote entsprechend auszurichten. Als Lachnummer werden die maschinell erzeugten Nachrichtenströme nicht mehr herhalten.

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