Montag, 25. Mai 2009

Wie nutzen Sie Soziale Netzwerke?

Für die Zeitschrift "Message" arbeite ich an einem Artikel zum Thema Soziale Netzwerke und Journalismus. Hierzu würde ich gerne Ihre Meinung hören (sofern Sie als Journalist tätig sind).
  • Wie nutzen Sie Soziale Netzwerke (wie etwa StudiVZ, Facebook, Xing, aber auch Twitter) für Ihre Arbeit (es muss sich nicht auf Recherche reduzieren)?
  • Was für Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
  • Sind Sie selbst in Sozialen Netzwerken registriert und aktiv (es ist ja für das journalistische Arbeiten mit diesen Angeboten nicht zwingend notwendig Mitglied zu sein respektive überhaupt nicht möglich überall dabei zu sein)?
Antworten bitte per E-Mail an:
kontakt(at)thomas-mrazek.de
Gegebenenfalls hake ich noch mal nach. Der Artikel wird später hier veröffentlicht. Vielen Dank schon mal.

Wie Journalisten diese Netzwerke besser nicht nutzen sollten, ist im Artikel "Deckname Moser" nachzulesen.

Dienstag, 12. Mai 2009

Marginalia zu Blog-Knalltüten

Gestern frotzelte ich über die Blog-Müdigkeit eines Bloggers bei der Münchner "Abendzeitung", das Sechzig-Blog wurde von Redakteur Oliver Griss zum letzten Mal am 26. März aktualisiert. Ja mei, eigentlich ist in der Zwischenzeit nicht wenig bei diesem Verein passiert. Darum frug ich mal dezent via Twitter nach. Und die "AZ"-Kollegen antworteten auch bald, wenngleich etwas genervt und mit großer Schwäche beim (Recherche-)Abschluss (siehe Screenshot).

Liebe Freunde von der "Abendzeitung", Ihr seid leider auf der ersten Seiten dieses Blogs gelandet (die wurde tatsächlich am 2.3.2005 erstellt; in der Zwischenzeit entstanden rund 350 weitere Seiten), dabei habe ich doch hin und wieder auch Erheiterndes ("Krawalljournalismus nach Münchner Art") und Lehrreiches ("Wenn nix mehr geht, dann geht's mit Google ... oder doch nicht?") über und für Euch hier berichtet. Nachträgliches Löschen solcher Schwächen ist übrigens bei Twitter nicht so hilfreich, die Suche speichert solche Einträge.

Ob es nun Blog-Knalltüten bei der "AZ" sind oder nicht, kann ich nicht sagen, sie probieren dieses und jenes (Twitter) ja wenigstens intensiv mal aus. Ich befürchte, dass es summa summarum nicht so viel bringt, wie das müde Sechzig-Blog vielleicht belegt (kaum Kommentare, mangelnde Pflege – Lieblosigkeit, vielleicht auch aus Zeitmangel). Auch durch die sagenhafte Steigerungsrate von 800 Prozent seit dem Start der neuen Seite von Abendzeitung.de würde ich mich nicht blenden lassen – vorher war Online praktisch auf Null dort.

Übrigens, der von Don Alphonso geprägte Begriff Blog-Knalltüten für seiner Meinung nach unfähige Journalisten-Blogger, hat sogar Eingang in die Kommunikationswissenschaft gefunden. Ich entdeckte ihn im kürzlich erschienenen Werk “Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung”, herausgegeben von Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke auf Seite 162.
Screenshot Twitter

Donnerstag, 7. Mai 2009

Das "SZ Magazin" fragt "Wozu Zeitung?"

Die morgige Ausgabe des "Süddeutsche Zeitung Magazins" widmet sich dem Thema "Wozu Zeitung?" - "Das Internet macht Druck, die Auflagen schrumpfen, die Einnahmen sinken: Die klassischen Medien müssen sich der größten Sinnkrise ihrer Geschichte stellen. Ein Heft über den Umbruch einer Branche. Von A bis Z". Online gibt es das Ganze schon heute.

Inhaltlich mit dem Heft auseinandergesetzt haben sich bereits die Darmstädter Journalistikprofessoren Klaus Meier: "Wie man journalistisch mit der Frage „Wozu Zeitung?“ umgeht: Fünf Tipps anhand des SZ-Magazins vom 8. Mai" und Thomas Pleil: "Die SZ auf dem PR-Trip".

Nachtrag
Stefan Niggemeiers Blog-Beitrag "Schöner sterben mit dem „SZ-Magazin”" weist auf erhebliche Mängel in einem der angebotenen Artikel hin.

Donnerstag, 23. April 2009

Wenn nix mehr geht, dann geht's mit Google ... oder doch nicht?

Die Münchener "Abendzeitung" versuchte in ihrer heutigen Ausgabe ein Pro und ein Contra zu Johannes B. Kerners Wechsel vom ZDF zu Sat1 zu kommentieren – auf Seite 2 ihrer gedruckten Ausgabe. Je nun, wenn es derzeit nix Wichtigeres gibt, nicht dass da irgendwie so eine komische Wirtschaftskrise droht, die man lieber kurz und mit Agenturmaterial abfrühstückt, was soll man auch groß dazu kommentieren: schlimm, schlimm. Und nicht das die Leser auf Seite 2 einen gehaltvollen redaktionellen Kommentar erwarten.

Über den Pro-Kommentar der Leute-Redakteurin Kimberly Hoppe rege ich mich ja schon gar nicht mehr auf; das habe ich heute morgen schon bei Twitter getan – Grundschul-Niveau!; Frau Hoppe antwortete auch schon (seltsamerweise ist der Beitrag wieder verschwunden, aber man man sammelt ja alles: KimberlyHope: @tmrazek Keine Bange, sondern Vorfreude, Herr Grundschullehrer: Ab heute wieder ein 50Plus-Gähn-Kommentar zu was wahnsinnig Wichtigem! #JBK). Am besten lesen Sie den Beitrag selber mal.

Richtig lustig ist hingegen der Contra-Kommentar von Katharina Rieger, immerhin Vize-Chefin der Lokalredaktion, denn in ihrem Beitrag muss Google Argumentationen und Recherchearbeit ersetzen.
"Jeden Monat bezahle ich 17,98 Euro Rundfunkgebühr. Im Jahr 2007 kassierte das ZDF 1,74 Milliarden Euro, um ein Programm mit Unterhaltung, Kultur und Information zu machen. Das ist der staatliche Auftrag. Und nicht, einen seifigen Allrounder zum Superstar aufzubauen.

Doch genau das ist passiert. Zu den Begriffen „Kerner kommentiert“ gibt’s bei Google 194 000 Treffer. Zu „Kerner kocht“ 179 000, zu „Kerner schwitzt“ 8080 und zu „Kerner nervt“ 10 100. Das zeigt: Die Rückkehr zu Sat 1 war überfällig. Dort ist er der Beste. Beim gebührenfinanzierten Fernsehen ist er’s nicht."
Abgesehen davon, dass diese Argumentation schon Humbug ist, lassen einen die Suchergebnisse doch argwöhnisch werden – das Kartenhäuschen der Recherche bricht dann endgültig ein. Wenn man die gesuchten Begriffe bei Google mit Anführungszeichen eingibt – oh Wunder – bekommt man ganz andere Ergebnisse:
  • "Kerner kommentiert", 623 statt 194.000 Treffer in der "AZ"
  • "Kerner kocht", immerhin 9.530 statt 179.000 Treffer
  • "Kerner schwitzt", 4 statt 8.080 Treffer
  • "Kerner nervt", 167 statt 10.100 Treffer
Zum Nachlesen, der Artikel "Kerner ist der Beste" aus der "Abendzeitung".

Nachtrag 24.04.2009
"Im Jahr 2007 kassierte das ZDF 1,74 Milliarden Euro [aus Rundfunkgebühren], um ein Programm mit Unterhaltung, Kultur und Information zu machen", schreibt die "AZ"-Autorin. Laut Jahresabschluss des ZDF, der für solche Fragen die maßgebliche Quelle sein sollte, sind es jedoch "nur" 1,66 Milliarden Euro (Quelle: ZDF Jahrbuch 2008). Vergessen hat Rieger, dass das ZDF laut Rundfunkstaatsvertrag mit den Gebührengeldern auch zur Bildung beitragen soll. Herrje, ich kann doch nicht alles nachprüfen. (-;

Mittwoch, 8. April 2009

WAZ hat denn Herr Kiesewetter geraucht?

waz-kiesewetter_screenshotScreenshot: DerWesten

Einige besonders geifernde Twitter-Beiträge des Gerichtsreporters der „WAZ“-Lokalredaktion Bochum, Bernd Kiesewetter, zu einem Prozeß gegen einen des Drogenhandels verdächtigen Mann, machten mich neugierig: Was wird dabei wohl für ein Artikel rauskommen?

Im vierten Tweet löst Kiesewetter dann endlich auf, indem er auf den bei DerWesten publizierten Artikel verlinkt:
„Hasch macht lasch. Deshalb kommt man auch trotz dreier Wecker am Bett morgens nicht in die Senkrechte: http://tinyurl.com/cygmqs"

Der Artikel erfüllt die vorher in den Twitter-Beiträgen geschürten Erwartungen.

In der Überschrift heißt es: „Trotz dreier Wecker kam Junkie morgens nicht auf die Beine“. Scheint sich um ein ziemlich verkommenes Subjekt zu handeln, wenn man sich dermaßen wegballert und deutsche Urtugenden wie etwa Pünktlichkeit nicht mehr erfüllen kann – ein „Junkie“ wie er im Buche steht halt. Dem muss man gleich in der Überschrift zeigen, wo hierzulande der Hammer hängt, mag sich Kiesewetter gedacht haben. Von kleinen Fehlern – im Eifer des Gefechts –, wie in der Dachzeile („Dogenhandel angeklagt“) mal abgesehen.

Dann schildert Kiesewetter einigermaßen sachlich, dass der angeklagte 22-Jährige vor dem Landgericht Bochum zugegeben habe, illegal mit Cannabis gehandelt zu haben. Auch in seiner Wohnung gefundene Gegenstände scheinen dies zu bestätigen.

Der Gerichtsreporter erläutert ausführlich, wie sich der Mann durch eigenen Drogenkonsum zugrunde richtete.
„Der Angeklagte (U-Haft) hat zwar eine Bariton-Stimme, ist von der Statur her aber ein ganz schmächtiges Kerlchen mit zarten Gesichtszügen. Vor seiner Verhaftung am 12. Januar war er sogar noch um über acht Kilo dünner.“
Letzteres ist sprachlich nicht ganz korrekt.

Kiesewetter setzt seinen Bericht zunächst sachlich fort:
„Wegen des Konsums verlor er auch seine Lehrstelle als Kfz-Mechatroniker, obwohl er dort bereits zwei Jahre absolviert hatte. „Ich wurde gekündigt, weil ich die Schule nicht ernst genommen habe und oft zu spät gekommen bin. Die drei Wecker, die ich aufgestellt habe, habe ich nicht gehört.” Darauf Richter Peter Löffler, das Cannabis meinend: „Dann wirkt das ja wirklich sehr beruhigend.”“
Ach, das Cannabis war auch im Gerichtssaal, oder wie meinen? Gags am laufenden Band. Da meint Kiesewetter auch noch einen draufsetzen müssen:
„Das Sprichwort "Hasch macht lasch", so darf man hinzufügen, scheint sich hier zu bestätigen.“

Im Originaltext, werden nun noch weitere Fakten für den Verfall des Angeklagten aufgeführt, so etwa wie er die Lust an seinen Hobbys verlor. Schließlich schildert Kiesewetter leider wieder ungenau und fehlerhaft, wie die Justiz überhaupt auf den Angeklagten aufmerksam wurde:
„Aufgefallen war er der Polizei an jenen 12. Januar, nachdem er gegen 22 Uhr mit sehr glasigen Augen, einem Rucksack und nach Marihuana riechend über einen Platz in Dahlhausen geschlichen war. Danach erfolgte die Wohnungsdurchsuchung.“

Wiederum unpräzise beschreibt Kiesewetter die möglichen Gründe für die Drogensucht des 22-Jährigen:
„Seine Eltern waren sehr früh verstorben. Bereits mit 16 Jahren zeugte er ein Kind. Dessen Mutter wolle heute aber keinen Kontakt mehr zu ihm, sagte der Angeklagte. Jetzt muss er mit einigen Jahren Haft rechnen. Vor Nervosität zitterte er im Prozess zeitweise am ganzen Oberkörper. Urteil: 20. April.“

Eigentlich hätte es ein guter Artikel werden können, der sachlich über diesen Prozess und die Person des Angeklagten informiert; aber der Autor fühlte sich wohl dazu berufen – aus welchen Motiven auch immer –, hier mal richtig auf die Pauke zu hauen. Die via Twitter veröffentlichten Arbeitsnotizen deuteten bereits auf diesen – meines Erachtens – mißlungenen Artikel hin. (An hyperventilierende Twitter-Fetischisten: Nein, Twitter ist nicht schuld daran.)

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Diigo

alles neue

Wo geht’s lang im Online-Journalismus?...
Dieses Blog ruht. Etwas. Natürlich biete ich Ihnen...
Netzjournalist - 2026/03/07 06:32
ich
Das Blog Thomas Mrazek ist der +++ netzjournalist...
Netzjournalist - 2026/01/21 18:10
Quellen finden ist nicht...
Es wird mit der Zeit immer schwieriger, gute Nachschlagewerke...
i-favoriten - 2018/08/18 06:11
Hardy Prothmann entschuldigt...
Hardy Prothmann entschuldigt sich https://www.facebook. com/hardy.prothmann/posts/ 10152634060500489 Ein...
Sven Temel (Gast) - 2014/08/21 08:11
Wow
Ich habe dieses Werk erst kürzlich entdeckt und war...
Leser (Gast) - 2013/09/04 20:59

alles seit

Online seit 7781 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2026/03/11 07:32

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