Mittwoch, 8. April 2009

WAZ hat denn Herr Kiesewetter geraucht?

waz-kiesewetter_screenshotScreenshot: DerWesten

Einige besonders geifernde Twitter-Beiträge des Gerichtsreporters der „WAZ“-Lokalredaktion Bochum, Bernd Kiesewetter, zu einem Prozeß gegen einen des Drogenhandels verdächtigen Mann, machten mich neugierig: Was wird dabei wohl für ein Artikel rauskommen?

Im vierten Tweet löst Kiesewetter dann endlich auf, indem er auf den bei DerWesten publizierten Artikel verlinkt:
„Hasch macht lasch. Deshalb kommt man auch trotz dreier Wecker am Bett morgens nicht in die Senkrechte: http://tinyurl.com/cygmqs"

Der Artikel erfüllt die vorher in den Twitter-Beiträgen geschürten Erwartungen.

In der Überschrift heißt es: „Trotz dreier Wecker kam Junkie morgens nicht auf die Beine“. Scheint sich um ein ziemlich verkommenes Subjekt zu handeln, wenn man sich dermaßen wegballert und deutsche Urtugenden wie etwa Pünktlichkeit nicht mehr erfüllen kann – ein „Junkie“ wie er im Buche steht halt. Dem muss man gleich in der Überschrift zeigen, wo hierzulande der Hammer hängt, mag sich Kiesewetter gedacht haben. Von kleinen Fehlern – im Eifer des Gefechts –, wie in der Dachzeile („Dogenhandel angeklagt“) mal abgesehen.

Dann schildert Kiesewetter einigermaßen sachlich, dass der angeklagte 22-Jährige vor dem Landgericht Bochum zugegeben habe, illegal mit Cannabis gehandelt zu haben. Auch in seiner Wohnung gefundene Gegenstände scheinen dies zu bestätigen.

Der Gerichtsreporter erläutert ausführlich, wie sich der Mann durch eigenen Drogenkonsum zugrunde richtete.
„Der Angeklagte (U-Haft) hat zwar eine Bariton-Stimme, ist von der Statur her aber ein ganz schmächtiges Kerlchen mit zarten Gesichtszügen. Vor seiner Verhaftung am 12. Januar war er sogar noch um über acht Kilo dünner.“
Letzteres ist sprachlich nicht ganz korrekt.

Kiesewetter setzt seinen Bericht zunächst sachlich fort:
„Wegen des Konsums verlor er auch seine Lehrstelle als Kfz-Mechatroniker, obwohl er dort bereits zwei Jahre absolviert hatte. „Ich wurde gekündigt, weil ich die Schule nicht ernst genommen habe und oft zu spät gekommen bin. Die drei Wecker, die ich aufgestellt habe, habe ich nicht gehört.” Darauf Richter Peter Löffler, das Cannabis meinend: „Dann wirkt das ja wirklich sehr beruhigend.”“
Ach, das Cannabis war auch im Gerichtssaal, oder wie meinen? Gags am laufenden Band. Da meint Kiesewetter auch noch einen draufsetzen müssen:
„Das Sprichwort "Hasch macht lasch", so darf man hinzufügen, scheint sich hier zu bestätigen.“

Im Originaltext, werden nun noch weitere Fakten für den Verfall des Angeklagten aufgeführt, so etwa wie er die Lust an seinen Hobbys verlor. Schließlich schildert Kiesewetter leider wieder ungenau und fehlerhaft, wie die Justiz überhaupt auf den Angeklagten aufmerksam wurde:
„Aufgefallen war er der Polizei an jenen 12. Januar, nachdem er gegen 22 Uhr mit sehr glasigen Augen, einem Rucksack und nach Marihuana riechend über einen Platz in Dahlhausen geschlichen war. Danach erfolgte die Wohnungsdurchsuchung.“

Wiederum unpräzise beschreibt Kiesewetter die möglichen Gründe für die Drogensucht des 22-Jährigen:
„Seine Eltern waren sehr früh verstorben. Bereits mit 16 Jahren zeugte er ein Kind. Dessen Mutter wolle heute aber keinen Kontakt mehr zu ihm, sagte der Angeklagte. Jetzt muss er mit einigen Jahren Haft rechnen. Vor Nervosität zitterte er im Prozess zeitweise am ganzen Oberkörper. Urteil: 20. April.“

Eigentlich hätte es ein guter Artikel werden können, der sachlich über diesen Prozess und die Person des Angeklagten informiert; aber der Autor fühlte sich wohl dazu berufen – aus welchen Motiven auch immer –, hier mal richtig auf die Pauke zu hauen. Die via Twitter veröffentlichten Arbeitsnotizen deuteten bereits auf diesen – meines Erachtens – mißlungenen Artikel hin. (An hyperventilierende Twitter-Fetischisten: Nein, Twitter ist nicht schuld daran.)

Mittwoch, 18. März 2009

Blogs, Kommerz und Journalismus – Diskussionsrunde mit Don Alphonso und Marc Scheloske, ScienceBlogs.de

bjv-logoDienstag, 31. März 2009, 19 Uhr s.t.
beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) – Katholische Journalistenschule, München

Bieten Blogs neue Chancen für Journalisten? Welche Trends, welche Probleme sind zu beobachten? Mit zwei kompetenten Gesprächspartnern wollen wir über diese und weitere Themen diskutieren.

Unsere Gäste
Don Alphonso alias Rainer Meyer ist Autor, Blogger und Journalist. Neben seinen privaten Blogs Rebellen ohne Markt, GT Blog ("Kultur & Reisen im alten Europa") und Blogbar schreibt er seit Mitte Januar bei FAZ.NET „ein Вlog der besseren Gesellschaft“ – die „Stützen der Gesellschaft“. Ein Kurzporträt Rainer Meyers finden Sie bei Meedia, es handelt sich um eine Vorveröffentlichung aus dem Buch „Alpha-Journalisten 2.0 – Deutschlands neue Wortführer im Portrait“ (Hg: S.Weichert, C.Zabel), das Ende März in der Herbert von Halem Verlagsgesellschaft erscheint.

Marc Scheloske ist verantwortlicher Redakteur bei ScienceBlogs.de. Er ist Sozialwissenschaftler und Wissenschaftsjournalist. ScienceBlogs.de gibt es seit rund einem Jahr. „Auf ScienceBlogs schreiben Forscher, was sie bewegt. Journalisten veröffentlichen unredigiert. Das ist die Basis für einen neuen Dialog aus erster Hand über die Rolle der Wissenschaft in der Politik, Religion, Philosophie, Kunst und Wirtschaft“, heißt es in der Eigenbeschreibung. Derzeit bloggen dort 37 Autoren aus Journalismus und Wissenschaft. ScienceBlogs.de ist eine Beteiligung der Burda Research & Development (R&D) (siehe Pressemitteilung Hubert Burda Media). Marc Scheloske wird uns dieses Netzwerk zunächst vorstellen. Bei Turi2 finden Sie ein aktuelles Interview mit Scheloske.

Moderation
Thomas Mrazek, Vorsitzender des Fachausschuss Online im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und im Bayerischen Journalisten-Verband (BJV) und freier Medienjournalist wird die Veranstaltung moderieren.

Teilnahme
Aufgrund der geringen Raumkapazität können an dieser Veranstaltung nur Mitglieder des Bayerischen Journalisten-Verbands (BJV) teilnehmen. Wir bitten um persönliche Anmeldung per E-Mail unter:
kontakt@thomas-mrazek.de.

Veranstaltungsort
Die Diskussion findet am Dienstag, 31. März 2009, 19 Uhr s.t. in den Räumen des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) – Katholische Journalistenschule statt. Das ifp hat seinen Sitz in der Kapuzinerstraße 38 in München. Auf der ifp-Website finden Sie eine Wegbeschreibung und Anfahrtstipps.

Donnerstag, 12. März 2009

DJV-Pressemitteilung "Amoklauf: DJV betont Chronistenpflicht"

Zu der heute vom Deutschen-Journalisten-Verband (DJV) verschickten Pressemitteilung "Amoklauf: DJV betont Chronistenpflicht" stelle ich fest: Als Vorsitzender des Fachausschusses Online im DJV wurden weder ich noch meine Fachausschuss-Kolleginnen und -Kollegen von den Verfassern der Pressemitteilung konsultiert.

Dienstag, 24. Februar 2009

BJV-Veranstaltung: Wann kommt das Web 3.0? – Chancen und Zukunft des interaktiven Internets

Wann kommt das Web 3.0? – Chancen und Zukunft des interaktiven Internets
Vortrag von Sandra Liebich, news aktuell beim
Bayerischen Journalisten-Verband (BJV)
Dienstag, 10. März, 19 Uhr s.t. in der BJV-Geschäftsstelle (Nähe Hbf.), München

Das Web 2.0 spielt eine immer größere Rolle auch für Journalisten. Vor allem freie Kollegen nutzen es zur Selbstvermarktung. Und auch das Publikum, das Medien bisher nur passiv konsumierte, produziert jetzt Inhalte, die von Journalisten interessiert und oft kritisch beobachtet werden.

Wie können Journalisten Twitter, Tagging, Social Media und das Mobile Web nutzen – und wo liegt die Zukunft des Web 2.0?

Sandra Liebich (Xing-Profil) Product-Manager bei news aktuell (ein Unternehmen der dpa-Gruppe) in Hamburg, führt ins Thema ein und stellt sich der Diskussion.

Wir freuen uns auf Eure zahlreiche Teilnahme. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, jedoch bitten wir Euch, möglichst pünktlich um 19 Uhr s.t. zu kommen (Anfahrtsskizze, München, Seidlstr. 8, unter).

Mittwoch, 18. Februar 2009

Schon wieder: Schnulzenalarm bei der "Abendzeitung"

Gestern "geißelte" der "AZ"-Chefredakteur Arno Makowsky in der Redaktionskonferenz noch den "Schnulzenjournalismus" in der eigenen Zeitung, was erfreulicherweise im Twitter-Angebot des Blattes zu lesen war (siehe auch "Twitter: Wider den redaktionellen Ernst ...") . Konkret ging es um den Anreißer: "Veronica Ferres: Glückliches Lächeln und ein Herz aus Gold". "AZ"-Sportreporter Oliver Griss hat vermutlich nix von dieser Kritik mitbekommen.

Heute hat er im Sportteil einen rührenden Artikel mit der Überschrift "Verliebt in München" in der Zeitung, welcher Postillen wie dem "Goldenen Blatt" zur Ehre gereichen würde. Es geht darin um den Anfang Februar von Borussia Dortmund zum TSV 1860 gewechselten Spieler Antonio Rukavina. Es ist wirklich erbärmlich, was da mit rund 2.500 Zeichen runtergeschrieben wurde: Piep, piep, wir haben uns alle lieb ("lieb" findet sich sechs mal in diesem Text). Und München ist ja sooo toll. Handfeste Informationen über den Menschen Rukavina gibt es darin kaum. Es ist ja kein Porträt, sondern nur ein Rührstück (online seit gestern Nachmittag).

Ja, und? Das tut doch keinem weh, oder? Doch dem Leser, der dafür bezahlt. Wie oft habe ich schon solche Stücke lesen müssen, über Weißwurst essende ausländische Fußballer, die München eben ganz toll finden. Ja mei, es ist nun mal so, er hat tatsächlich Weißwürste gegessen. Es sind immer die gleichen Textbausteine. Natürlich darf es auch mal menscheln, darf es mal leichtere Kost geben, aber dann doch bittschön a bisserl gehaltvoller und informativer. Obendrein könnte man sich als Leser der gedruckten Zeitung noch über das raumfüllende Sofabild von Rukavina und seiner Freundin mokieren.

Bei der "Bild" gibt es heute das gleiche Thema als "Liebeserklärung an München". Nur dass die beiden Redakteure offenbar besser recherchiert haben, sie schreiben nämlich davon, dass Rukavina schon einen Mietvertrag in München unterschrieben habe, während er laut "AZ" noch auf der Suche sei. Oh mei!

Anmerkung: Ich bin Löwenfan seit gut 30 Jahren und lese die "AZ" (als Zweitblatt) fast täglich seit 20 Jahren. Beides erfordert mitunter eine hohe Leidensfähigkeit ...

Nachtrag

Auch über die zum Teil gestammelten Knast-Tipps für Uschi Glas' Sohn Ben Tewaag des "AZ"-Kolumnisten Michael Graeter in der heutigen Ausgabe könnte man diskutieren (Auszug: "Dagegen sollte man tunlichst vermeiden, sich mit irgendwelchen Cliquen anzufreunden – dies könnte im schlimmsten Fall zu gefangeneninternen Maßnahmen führen. Stichwort, im Duschraum: Bück Dich nach der Seife."). Handwerklich zu monieren ist hier, dass nicht explizit darauf hingewiesen wird, wie lange und warum Graeter im Gefängnis war (da hätte man doch nur im Archiv der eigenen Zeitung nachschauen müssen). Das wäre auch ein Dienst am Leser gewesen, selbstverständlich ohne das Graeter sein Gesicht dabei verliert.

Gerne bezeichnen die "AZ"-Redakteure ihre neuen, im Herbst 2008 bezogenen Redaktionsräume als Raumschiff, etwas mehr Bodenkontakt (etwa in Form von Sorgfalt) wäre in Zeiten der Medienkrise (neuestes Opfer "Vanity Fair") wohl angebracht, oder?

Nachtrag 19.02.09
Oh mei: Die "Abendzeitung" will offenbar seit gestern nicht mehr meinem Twitter-Feed folgen - ziemlich albern.

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Diigo

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Das Blog Thomas Mrazek ist der +++ netzjournalist...
Netzjournalist - 2025/11/11 17:33
Wo geht’s lang im Online-Journalismus?...
Dieses Blog ruht. Etwas. Natürlich biete ich Ihnen...
Netzjournalist - 2023/05/20 07:56
Quellen finden ist nicht...
Es wird mit der Zeit immer schwieriger, gute Nachschlagewerke...
i-favoriten - 2018/08/18 06:11
Hardy Prothmann entschuldigt...
Hardy Prothmann entschuldigt sich https://www.facebook. com/hardy.prothmann/posts/ 10152634060500489 Ein...
Sven Temel (Gast) - 2014/08/21 08:11
Wow
Ich habe dieses Werk erst kürzlich entdeckt und war...
Leser (Gast) - 2013/09/04 20:59

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Zuletzt aktualisiert: 2026/01/07 16:06

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