Dienstag, 17. Februar 2009

Twitter: Wider den redaktionellen Ernst ...

screenshot_twitter.com_abendzeitungRedaktionelle Selbstkritik bei der Münchner "Abendzeitung", allerdings lesen derzeit nur rund 370 "Follower" (vor drei Wochen waren es noch 35, ergänzte die "Abendzeitung" eben) das Twitter-Angebot der Boulevard-Zeitung. Ich betrachte das bislang eher als Klamauk; gehaltvolle inhaltliche Diskussionen lassen sich über Twitter nicht führen, wie die "Abendzeitung" und ich letzte Woche feststellen mussten (ja, ich habe dabei über die Stränge geschlagen).

Ich könnte mir vorstellen, dass es in einem halben Jahr viele Twitter-Angebote von Medien nicht mehr geben wird oder dass sie zumeist nur mehr oder weniger automatisch bespielt werden (sprechen wir Ende August doch noch mal darüber). Ich will die Bemühungen dieser Zeitung und anderer Medien damit aber auf keinen Fall in die Tonne treten, es ist insbesondere in Krisenzeiten löblich, wenn neue Dinge ausprobiert werden, da kann es ruhig auch mal etwas klamaukig werden. Zur Mahnung auch ein aktueller Twitter-Beitrag meines Kollegen Fiete Stegers: "Ob Twitter inzwischen weltweit schon mehr Arbeitsstunden gefressen hat als Solitaire?".

Für die Metaebene: In meiner Bookmark-Sammlung gibt es rund 150 Beiträge zu Twitter.

Freitag, 13. Februar 2009

Was mir gefällt: Heute HAZ.de

haz_de_relaunchSo, in einem Weblog darf es ja auch mal etwas subjektiver sein, mal schauen, ob "Was mir gefällt" sich in Zukunft auch mit Inhalten füllen lässt. Freilich soll das Ganze auch relativ kurz und wie gesagt auch mit etwas Bauchgefühl ausgestattet sein. Jetzt aber los: Ja, HAZ.de, der neu gestaltete (um das Wort Relaunch zu vermeiden) Online-Auftritt der "Hannoverschen Allgemeinen" gefällt mir gut.

Im Vorfeld: Nutzer mit einbezogen
Schon vor einigen Wochen konnte die Nutzer auf eine Beta-Version des neuen HAZ.de-Auftritts schauen, die Redaktion bat die Leser zu kritisieren. Wenn diese Kritik wirklich auch ernsthaft aufgenommen wurde, halte ich dies für eine sehr gute Idee (ähnliches praktizierte beispielsweise auch die "Badische Zeitung" vor einigen Monaten und sicherlich andere Zeitungen auch schon).

Was gefällt:
  • Übersichtliches und vor allem stets angenehmes Design (Agentur KircherBurkhardt)
  • Automatisch wechselnde und relativ großflächige Teaser auf der Titelseite und in der Rubrik Hannover.
  • Hannover ist eigentlich immer vorn (ja, lieber Leser, wir sind eine Regionalzeitung, hier bist Du zuhause und hier kennen wir uns aus, scheint die Botschaft zu lauten); auch die relativ weit oben platzierte Regionalkarte weist nochmals auf den Schwerpunkt von HAZ.de hin.
  • Das HAZ.TV wird am Seitenanfang platziert; über den Nutzwert der Montags bis Freitags jeweils um 16 Uhr ausgestrahlten Studiopräsentation könnte man freilich streiten.
  • Gelungene und einheitliche Typografie, auch bei den Artikeltexten wird zwischen serifenlos und mit Serifenschriften gut variiert (typografisch Bewandtere werden mich jetzt hoffentlich nicht des Dilettantismus überführen ...).
  • Übersichtliche Anordnung von Zusatzfunktionen wie Kommentieren, Weiterleiten, Drucken, Schriftgrößen, Lesezeichen-Dienste
    Artikel sind sauber aufgebaut, Zwischentitel, nutzwertige Bildergalerien im Textfluß, deutlich erkennbares Veröffentlichungsdatum vor der Überschriftenzeile (Beispiel)
  • Serviceangebote sind gut und leicht auffindbar auf jeder Seite platziert; gut erkennbare Icons
  • Großes Plus: Auf jeder Seite findet sich am Ende das Inhaltsverzeichnis (nix Neues nicht, aber aus unerfindlichen Gründen noch selten zu finden), auch hier überzeugt die gut durchdachte Sortierung.
  • Sprechende URLs sollen auch noch keinem Angebot geschadet haben.
  • Immerhin elf unterschiedliche RSS-Feeds können abonniert werden; für Neulinge wird noch mal erklärt, was es mit diesen "persönlichen Nachrichtentickern" auf sich hat.
  • Obendrein werden in der Rubrik Multimedia, die vielleicht etwas unglücklich benannt ist, alle multimedialen Angebote auf HAZ.de übersichtlich vorgestellt.
  • Die lange Matte von Kolumnist Ernst Corinth ist häufig in der rechten Spalte zu sehen - fein, eine Website, die mit dem "Netzgeflüster" eine gute Kolumne eines guten Autors zu bieten hat, kann gerne mit diesem Pfund wuchern (ähnlich praktiziert es die "Stuttgarter Zeitung" mit der Kolumne "Glaserei" von Peter Glaser).
  • Sinnvolle Einbindung von Leser-/Bürgerreportern mit dem bewährten Angebot von MyHeimat (wir berichteten); in den lokal bezogenen Rubriken wird auf diese Möglichkeit zum Mitmachen stets hingewiesen (Beispiel Rubrik Hannover). Die Rubrik MyHeimat scheint belebt zu sein und erscheint auch im angenehmen Design von HAZ.de.
  • Zusatzangebote (ich habe mich nur sporadisch umgeschaut!) wie TV-Programm oder Kindergartendatenbank (neben der Datenbank wird auch Google Maps eingesetzt) überzeugen; so kann HAZ.de eine gerne besuchte regionale Anlaufstelle im Netz werden.
  • Über den kleinen Fehlstart am Mittwoch berichtet man auch. Gut so.
Was nicht gefällt:
  • Zum Teil werden auf der Startseite unaussagekräftige Briefmarken-Teaserbilder verwendet (siehe dieses Beispiel).
  • Über den Nachrichtenticker könnte man streiten.
  • Autorennamen sind nicht verlinkt, keine Kontaktmöglichkeit (auf der wiederum sehr übersichtlichen Kontaktseite, findet sich neben den Kontaktdaten wenigstens ein Bild des Redakteurs; mit einer Kurzvita wäre es noch besser.Oha, wo finde ich denn die Online-Redaktion, oder ist die integriert?).
  • Die Mediadaten online fehlen wohl noch, es werden nur Online-Werbeformen präsentiert - eine Marginalie.
  • Aktuelles Hannover-Wetter auf jeder Seite ist schön und gut, doch hier hätte man gerne mehr (Hannover-Vorschau, Reisewetter etc.)
  • E-Paper-Seite noch im alten Design?
  • Online first im Lokalen gibt es wohl nur in homöopathischer Dosis (wie ist es in den anderen Ressorts?), immerhin kann man auf der Nachrichtenkarte sehen, welche Artikel aktuell oder von den Vortagen sind, außerdem sieht man dies natürlich auch auf der jeweiligen Artikelseite. Ob man damit mehr Leser online erreicht?
"Webpionierin" federführend?
HAZ.de dümpelt beispielsweise im AGOF-Angebotsranking noch unter ferner liefen. Das wird sich wohl leider auch nach dieser gelungenen Neugestaltung der Seite nicht von heute auf morgen ändern, doch für die kommenden Jahre sind die Hannoveraner mit diesem Angebot gut gerüstet.

Einem Twitter-Angebot der HAZ entnahm ich neulich, dass Martina Lenk die Geschäftsführung bei der für HAZ.de verantwortlichen Madsack Online GmbH & Co. KG inne hat. Lenk leistete bei der damals noch zu Burda gehörenden "Schweriner Volkszeitung" Pionierarbeit, denn dieses Blatt war die erste deutsche Tageszeitung im Netz (Start am 5.5.1995, Quelle [ohje?]: Wikipedia). Lenks Erfahrungsschatz und natürlich der Einsatz der anderen Kollegen hat sich offenbar bezahlt gemacht.

Und was meinen die Nutzer?

Ach, die Nutzer haben ja auch noch was zu sagen, ein HAZ.de Umfrage ergab folgendes: 32 Prozent stimmten für "Wahnsinn! HAZ.de sieht toll aus.", 21 Prozent für "Schick! Doch, das gefällt mir." und 48 Prozent haben die Option "Naja, so umwerfend ist der neue Auftritt nicht." angewählt. Je nun, was kann man auf solche Umfragen geben? Mir gefällt es!

Nachtrag 25.02.2009
Das Gleich in Grün gibt es bei der "Neuen Presse", Hannover, die auch zur Verlagsgruppe Madsack gehört.

Freitag, 30. Januar 2009

Twitter-Gewitter in den Mediendiensten

Puh, ein Hype geht um, zumindest in den einschlägigen Mediendiensten und -Magazinen: Ob "Medium Magazin", "Journalist", Meedia oder Turi2 überall wird über Twitter berichtet. Ach, in der "Drehscheibe" gibt es in der Druck- und Online-Version auch zwei Beiträge für Tageszeitungs-Journalisten von mir: "Zwitschern im Blätterwald" (Einführungsartikel) und ein Kurzinterview mit Katrin Scheib, Chefin vom Dienst bei DerWesten. Ich hoffe, es wird daraus erkennbar, wie meine Meinung zum Thema Twitter ist: Gemach, gemach, mal ausprobieren, aber nicht allzu viel davon erwarten und nicht übermäßig viel Zeit investieren und vor allem ein bisschen kreativ und gewitzt sein.

Für ärgerlich halte ich die einseitige Hype-Berichterstattung, ja ja, die Medienkrise, da möchte mancher gebeutelte Medienschaffende freilich auch mal wieder angenehmeres sehen. Nicht selten geht die "Berichterstattung" dann in plumpe PR über; siehe heute etwa ein Interview bei Turi2 mit der geistreichen Überschrift: "Twitter-Expertin fordert Medienmacher zum Zwitschern auf" (Versicherungsvertreter empfiehlt an die Vorsorge zu denken). Einen Überblick zu mehr oder weniger geistreichen Beiträgen zum Thema Twitter gibt es auch in meinem Delicious-Bookmarks.

* Turi2 ist übrigens ein sehr netter Mediendienst, dieser Tage gab es dort folgende Eigenanzeige:
Sie wollen ins Branchenfernsehen? Kein Problem: turi2.tv dreht bei Burdas DLD-Conference während der gesamten drei Tage. Peter Turi erwartet Sie zu Interview und Fragebögen im Nebengebäude (Aufzug benutzen!) vorm Media Center im Preysingsaal, 1. Obergeschoss, HVB-Forum Kardinal-Faulhaber-Straße.
Wer etwas zu sagen hat, traut sich ins Branchenfernsehen turi2.tv
Ich freue mich auf die "Interviews" und beantworteten Fragebögen. (-;

Donnerstag, 22. Januar 2009

Datenschutz auf die harte Tour: Das “Google-Porträt”

Das französische Magazin "Le Tigre" porträtiert unbekannte Internet-Nutzer und recherchiert dafür in sozialen Netzwerken. So publizierte das Magazin die Lebensgeschichte eines französischen Angestellten nur aufgrund öffentlich zugänglicher Quellen. Mit "Details über seine Reisen und sein Liebesleben", berichtet die "FAZ". Der Porträtierte sei "bleich" geworden, als er den Artikel las.

Der Artikel ist Auftakt einer Serie mit dem Namen "Google-Porträt". Im "FAZ"-Beitrag (mit Hinweis auf weitere Artikel zum Thema) heißt es weiter:
"Von ganz normalen Zeitgenossen werden die Informationen zusammengestellt, die sie selbst dem Internet anvertraut haben. Bei Facebook und anderswo. Die Naivität und der Exhibitionismus vieler Menschen seien grenzenlos, sagt ein Redakteur des "Tigre". Und will ihnen zeigen, was mit ihren Angaben geschehen kann."
Aus journalistischer Sicht halte ich diese Herangehensweise für gewagt, aber legitim. Letztes Jahr habe ich im Beitrag "Deckname Moser" über den Mißbrauch von sozialen Netzwerken bei der journalistischen Recherche berichtet.

Nachtrag 23.01.09
Medienrauschen berichtete bereits am 15.01.09 über das Thema: "ergoogelt, erfacebooket und erflickrt - wenn das Internet Dich besser kennt als Deine Mutter".

Dienstag, 20. Januar 2009

Jens Weinreich Sport- und Onlinejournalist des Jahres

Nachdem er vor wenigen Tagen vom "Medium Magazin" zum Sportjournalisten des Jahres ernannt wurde, gab es gestern beim Goldenen Prometheus des Medienmagazins "VISDP" eine weitere Auszeichnung für Jens Weinreich: Onlinejournalist des Jahres.

Selbstverständlich kannmuss man Journalisten- und Medienpreise kritisch betrachten. "Mit ihren Bewertungskriterien sollen sie handwerkliche Standards festlegen und damit zur Professionalisierung beitragen", schrieb ich 2002 – ach, was für ein edles Ansinnen, könnte ich in der Rückschau über mich selbst höhnen.

Aber bei Jens Weinreich kann ich guten Gewissens sagen, dass die Juroren mit seiner Wahl allein diesem hehrem Anspruch gerecht werden. Denn sie weisen damit auf die Arbeit eines Journalisten hin, der unter anderem mit beharrlicher und unbequemer Recherche aber auch mit dem vielfältigen und umfangreichen Publizieren auf seinem Weblog nolens volens so etwas wie Vorbildcharakter erlangt hat. Ich gratuliere Jens Weinreich!

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Netzjournalist - 2023/05/20 07:56
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i-favoriten - 2018/08/18 06:11
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Hardy Prothmann entschuldigt sich https://www.facebook. com/hardy.prothmann/posts/ 10152634060500489 Ein...
Sven Temel (Gast) - 2014/08/21 08:11
Wow
Ich habe dieses Werk erst kürzlich entdeckt und war...
Leser (Gast) - 2013/09/04 20:59

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