Donnerstag, 9. August 2007

Sehr praktisch: Abonnieren von Lieblingsautoren bei der "Zeit"

Ich weiß nicht, wie lange es das schon gibt, es scheint mir ziemlich neu und einmalig (bitte gegebenenfalls berichtigen/ergänzen) zu sein: Bei Zeit Online kann man seine "Zeit"/Zeit Online-Lieblingsautoren mittels RSS abonnieren (sorgfältiger Hinweis und Erklärung hier).

Die übersichtliche Anordnung der Autoren von A bis Z lädt aber auch zum Stöbern ein: Zu jedem Autor finden sich in chronologischer Abfolge dessen bisher online erhältlichen Artikel. So kommt - vermutlich - Leben ins Archiv und es stellt einen echten Nutzwert dar. Von Zeit Online-Chefredakteur Gero von Randow finden sich beispielsweise derzeit 543 archivierte Artikel, da wünscht man sich noch eine spezielle Suchfunktion für Autoren (ja, wir Nutzer sind niemals ganz zufrieden (-; ). Trotzdem: Sehr gut gemacht, das wünsche ich mir auch bei anderen Angeboten.

Nachtrag
Ein Hinweis von Falk Lüke:
Die “spezielle” Suchfunktion nach Autoren existiert bereits seit Jahren - sie ist in der ZEIT-Suche integriert.

Beispiel: Autor Randow, Suchwort Ahmadinedschad, nach Datum sortiert.
http://www.zeit.de/suche?q=autor%3Arandow+ahmadinedschad&sort=aktuell

Dienstag, 7. August 2007

Qualitätsjournalismus oder Stefan Niggemeier auf der Flucht?

Endlich hat sich mal ein so genanntes Qualitätsmedium der Abmahnerei von Blogs und anderen Internet-Seiten angenommen, wir hatten neulich kritisiert, dass dies zu selten der Fall sei. Der österreichische "Standard" widmete dem Thema in Print und Online 800 Zeichen, das ist wenig, aber dafür sind umso mehr Fehler in dem Beitrag. Gehen wir den Artikel doch mal der Reihe nach durch.

Die Überschrift:
"FAZ"-Journalist Niggemeier wegen Postings abgemahnt
Nicht ganz richtig: Niggemeier war von 2001 bis 2006 laut seinem Lebenslauf (der ist auch online einsehbar, das kann man also auch ohne zu telefonieren recherchieren) verantwortlicher Medienredakteur bei der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und schreibt meines Wissens derzeit auf freier Basis für dieses Blatt.

Erster Satz des Artikels:
Stefan Niggemeier, Fernsehkritiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurde wegen zweier Postings auf seiner Homepage stefan-niggemeier.de verurteilt.
Jetzt wird's a bisserl viel, Freunde: Also Niggemeier hat meines Wissens zwar viel Ahnung vom Fernsehen und schreibt auch gerne und oft darüber, aber er ist nicht explizit als "Fernsehkritiker" tätig, und wohl auch nicht (siehe oben) für dieses Blatt. Hui, "wegen zweier Postings auf seiner Homepage stefan-niggemeier.de" wurde er also "verurteilt". Da nehme ich mal an, dass er die Postings auf seiner Homepage (und nicht seinem Weblog) verfasst hat. Ha, und "verurteilt" wurde er also auch gleich.

Aber der "Standard" bemüht sich Klarheit zu schaffen, das ist redlich - nächster Satz:
Der umstrittene Gewinnspieleveranstalter Callactive fühlte sich durch zwei Kommentare in Niggemeiers-Fernsehblog beleidigt und ließ den Journalisten abmahnen.
Aha, die "Postings" waren also "Kommentare", hm, vielleicht hätte man dazu schreiben sollen, dass es sich um Leser-Kommentare handelte, wie Niggemeier in seinem Beitrag "In eigener Sache" schrieb. Aus der Homepage wird jetzt ein "Fernsehblog", was der Sache wohl einigermaßen gerecht wird, genaugenommen ist es ein Medienblog. Interessant wäre es vielleicht für die Leser gewesen, zu erfahren, wo und wie der "umstrittene Gewinnspieleveranstalter Callactive" denn tätig ist.

Der nächste Satz:
Das Landgericht Hamburg erließ eine einstweilige Verfügung, die Niggemeier die in den Kommentaren gemachten Äußerungen untersagt.
Volltreffer: Dieser Satz ist richtig! Steht auch fast genauso auf Niggemeiers Blog.

Jetzt wird's richtig spannend:
Der TV-Kritiker verabschiedete sich vorerst in den Urlaub, der Blog bleibt einstweilen geschlossen.
Den "TV Kritiker" schenken wir uns, wichtiger ist, dass er sich wohl nur wegen dieser Sache "vorerst" aus dem Staub gemacht hat, so könnte man das lesen. Immerhin verrät uns der "verurteilte" Niggemeier auf seinem Blog etwas von seinen Fluchtplänen: "Ich habe gehört, es gibt ein Leben außerhalb des Internets. Die nächsten zehn Tage gucke ich mal nach, ob das stimmt." Dass das Blog "einstweilen geschlossen" bleibt, scheint auch nicht zu stimmen, es wird, wie Niggemeier ebenso mitteilte, von einem Vertreter bespielt und war auch in den letzten Tagen nicht offline.

Kommen wir zum letzten Satz:
Callactive geht auch gegen andere Kritiker vor: Die Plattform call-in-tv.de darf nach Gerichtsbeschluss nicht mehr von "verwirrten Anrufern" schreiben.
Ich würde sagen: Ist okay so. Hm, dann dürfen sie halt nicht mehr von "verwirrten Anrufern" schreiben, da wird ihnen wohl auch kein Zacken aus der Krone fallen, mag man als Leser denken. Für den gemeinen Leser etwas deutlicher schreibt es der Medienprofessor Horst Müller bei Blogmedien:
Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München muss der Berliner [der Betreiber von call-in-tv.de, T.M.] mit einer Strafe von bis zu 250.000 Euro rechnen, wenn in seinem Forum noch einmal der Begriff “verwirrte Anrufer” im Zusammenhang mit Anrufsendungen des Endemol-Tochterunternehmens Callactive auftauchen sollte.
Sorry, liebe Kollegen vom "Standard", aber das war wohl gar nichts.

Freitag, 3. August 2007

"Hausarrest" für Blogger: Medien und Berufsverbände schweigen

"Unbequeme Blogger unter Hausarrest zu stellen [wie etwa in China, T.M.], ist in Deutschland gesetzlich nicht möglich. Hierzulande gibt es subtilere Methoden - wer sich kritisch im Internet äußert, muss damit rechnen wirtschaftlich ruiniert werden", schreibt Horst Müller bei Blogmedien.

Er schildert den Fall von Marc Döhler, dem Betreiber der Website Call-In-TV, der mittlerweile "nach eigenen Angaben finanziell am Ende" sei. Weiter erwähnt Müller, dass Stefan Niggemeier, "der sich häufig und besonders mit dem Fall in seinem Blog beschäftigt hatte", nun wegen zwei Kommentaren in seinem Blog letzte Woche eine einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts erhalten hat.

Diese Fälle sind weitestgehend bekannt. Müller konstatiert jedoch, dass "die deutsche Bloggerszene offenbar fassungs- und sprachlos" sei. "Kommentarfunktionen wurden am Mittwoch und Donnerstag gleich reihenweise abgeschaltet." Er kritisiert das Blogger in Deutschland kaum mit Unterstützung rechnen könnten: "Weder aus der Politik, noch von den Leitmedien (...) Warum sollten sich die so genannte etablierten Medien und deren Berufsververbände auch für unliebsame Konkurrenten ins Zeug legen, die ihnen dazu auch noch regelmäßig selbst auf die Finger schauen, so wie Stefan Niggemeier in seinem Blog?"

Montag, 30. Juli 2007

Relaunchitis: Kress.de oder manchmal tut's auch weh

Vor sechs Wochen nörgelte ich noch über die neue taz.de: "Det war nüscht". Ähnlicher Meinung waren viele NutzerInnen, die ihren Unmut im Forum mitteilten. Ja, "taz"-LeserInnen ticken halt anders, haben eine besondere emotionale Bindung zu dem Blatt. Mittlerweile habe ich mich übrigens einigermaßen mit der neuen Internet-"taz" arrangiert, wenn nicht sogar ein wenig angefreundet - Aufatmen in der Rudi-Dutschke-Straße, Peace. Heftiges Rumoren hingegen in Heidelberg bei Kress.de.

Der Mediendienst verpflichtete Hamburgs "Medien-Design-Papst" Uwe C. Beyer für sein neues "elegantes Layout". Die Nutzer hauen dem "gelben Dienst" den neuen Web-Auftritt uncharmant um die Ohren: "Vollends mißlungenen" oder "Die Computer AG an der Grundschule Kleinwülverode kann das besser! Ich bin schwer enttäuscht!", lauten einige Kritiken, während einige Kress-Leser fundiert auf tatsächliche Fehler und Mängel hinweisen.

Mir hat es auch nicht gefallen (zu unübersichtlich, hässliche Farbgebung - das berühmte "Gefühl, dass vorher eh alles besser war ..."), aber ich freute mich darüber, dass jetzt nach Jahren wieder fast alle Artikel frei erhältlich sind. Nicht unbedingt jeder Nutzer ist freilich darüber erfreut: "Ach ja: Sinkt der Preis zumindest für das Online-Abo? Schließlich sind nun wesentliche Inhalte kostenfrei für jeden zu lesen…", fragt etwa Tobias Quest. Online-Chef Stefan Winterbauer antwortet: "Der Preis für ein Online-Abo bleibt erstmal gleich. Wir gehen davon aus, dass professionelle Nutzer, die ein Abo bezahlen, auf die umfangreichen Funktionen des Archivs nicht verzichten wollen." Ob diese Rechnung aufgeht?

Aber in ein paar Wochen werden sich die Gemüter - wie bei taz.de - wieder beruhigt haben, die gröbsten Schnitzer sind dann wohl beseitigt. Nutzer "Dr. T." (vermutlich verbirgt sich dahinter Geschäftsführer Dr. Thomas Wengenroth) beschwichtigt die Nutzer in den Kommentaren; "Papst" Uwe C. Beyer meint, dass alles gut wird. Dies wird auch notwendig sein, denn in den nächsten Tagen steigt unter der Leitung von Ex-"Tomorrow"-Chefredakteur Georg Altrogge mit Medien2 (www.medien2.de, noch nicht freigeschaltet) ein weiterer Mitwerber in den Ring. Federführend bei dem in Hamburg ansässigen Web-Dienst ist Ex-Milchstrassen-Verleger Dirk Manthey. "Finanzieren soll sich Medien2 vermutlich allein aus Anzeigen", schrieb Thomas Knüwer im März im "Handelsblatt".

Derweil verbessert sich in den letzten Wochen das Weblog des Ex-Kress-Chefredakteurs Peter Turi Turi2 zunehmend, es sind nicht mehr so viele Fehler vorhanden, das Blog wird morgens und abends aktualisiert. Die peinlich anmutende Privatfehde mit Don Alphonso, die sogar im "Spiegel Special" erwähnt wurde, scheint - wie auch immmer - beendet zu sein. Neben den wichtigsten Links zu Mediennachrichten gibt's nur sporadische Interviews und Zweitverwertungen und ein paar Zitate - aber (noch?) keine Anzeigen. Auch Medienblogs wie etwa Bildblog oder das Blog von Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier buhlen ebenso wie unser Angebot auf diesem Markt um Aufmerksamkeit. Klar haben nicht alle die gleiche Zielgruppe, dennoch wird's eng. Nach eigenen Angaben bis Mitte August in der "Sommerpause" befindet sich übrigens das wöchentliche Magazin VISDP (ja, die sind auch noch da, genauso wie beispielsweise DWDL). Kress.de sollte seine Relaunchitis bald auskurieren.

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  • Müde Mediendienste: Oft nur 08/15-PR-Blabla statt Recherche und eigene Beiträge
  • Ungebetene Kritiker: Die Blogger-Szene hat die Medienkritik entdeckt. So sind neben dem bekannten BILDblog inzwischen viele andere Watchblogs entstanden, die ein Korrektiv gedruckter oder online gestellter Berichterstattung darstellen. (Artikel aus "Journalist" 1/2006)
Im Internet:

Mittwoch, 25. Juli 2007

Download-Tipp "Journalism 2.0 - How to Survive and Thrive"

Mein Onlinejournalismus.de-Mitstreiter Roman Mischel weist ebendort auf ein vor allem für Einsteiger praktisches Werk unter Creative Commons-Lizenz hin: Journalism 2.0 - How to Survive and Thrive. A digital literacy guide for the informations age. Download: PDF-Datei, 132 Seiten, 2 MB: www.j-lab.org/Journalism_20.pdf.

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Netzjournalist - 2025/11/11 17:33
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Netzjournalist - 2023/05/20 07:56
Quellen finden ist nicht...
Es wird mit der Zeit immer schwieriger, gute Nachschlagewerke...
i-favoriten - 2018/08/18 06:11
Hardy Prothmann entschuldigt...
Hardy Prothmann entschuldigt sich https://www.facebook. com/hardy.prothmann/posts/ 10152634060500489 Ein...
Sven Temel (Gast) - 2014/08/21 08:11
Wow
Ich habe dieses Werk erst kürzlich entdeckt und war...
Leser (Gast) - 2013/09/04 20:59

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