Dienstag, 3. Juli 2007

Readers Edition lockt mit Presseausweisen

Vor einigen Tagen beim Medienforum NRW nannte Readers Edition-Redakteurin Marie Naumann Zahlen zur Nutzerbeteiligung bei dem Bürgerjournalismus-Projekt: Rund 400 Autoren seien registriert, davon schreiben nur 30 regelmäßig. Im Sommer letzten Jahres hatte die Readers Edition noch um die Mitarbeit von 20 Millionen Redakteuren geworben.

Jetzt versucht die Readers Edition mit der Ausgabe des Jugend-Presseausweises der Jugendpresse e.V. zumindest jüngeren Autoren (bis 27 Jahre) das kostenlose Arbeiten für das Bürgerjournalismus-Projekt schmackhafter zu machen. Denn mit so einem Ausweis gibt's ja einige Privilegien:
"Leichtere Akkreditierung für Konzerte, Messe und andere Veranstaltungen, denn der Ausweis wird zum Beispiel bei der Deutschen Messe AG, der CinemaxX AG und der Deutsche Bahn AG. akzeptiert - Vorzüge also, die wirklich hilfreich bei einer guten Recherche für Eure Beiträge bei der Readers Edition sind."
Ob's hilft?

Derweil greift Readers Edition-Chef Michael Maier nach zweimonatiger Sendepause auch mal wieder zur Tastatur und bügelt "Stern"-Vize Hans-Ulrich Jörges für dessen kürzlich erfolgte "Fäkal-Attacke" ab, unter anderem schreibt er:
"Bürgerjournalismus ist ein sehr neues Phänomen. Da kann auch schon mal ein altgedienter Journalist kräftig danebenhauen. Aber schön wäre es schon, wenn er sich vorher mal kurz mit dem Thema beschäftigen würde."
Scheint's vor lauter Ärger über Jörges lässt Maier sogar dessen zweiten Vornamen, Hans, weg.

Nachtrag 04.07.07
Hans-Ulrich Jörges wird jetzt fast korrekt erwähnt, es fehlt nur ein Bindestrich zwischen Hans und Jörg ... (Erfüllt das jetzt schon den Tatbestand der Korinthenkackerei?)

Montag, 25. Juni 2007

Hobbyjournalisten: Konkurrenz, die das Geschäft belebt? - Diskussion am 3. Juli in München

Nachtrag zu u.a. Veranstaltung

Hier finden Sie weitere Beispiele für nutzergenerierte Inhalte, Leserreporter und Bürgerjournalismus in Deutschland.


Diskussion mit Dr. Martin Huber, Chef des Augsburger Crossmedia-Portals "MyHeimat"

Das Thema "Bürgerjournalisten" polarisiert: Die einen verdammen die kostenlos schreibenden und fotografierenden Laienreporter als Totengräber des professionellen Journalismus. Andere sehen in dem Phänomen eine Chance für einen neuen Journalismus, der den Leser ernster nimmt. Kritiker halten dies für Wunschdenken und monieren die Vermischung von ernsthaften journalistischen Bemühungen mit mehr oder weniger verkappter PR und langweiliger Selbstdarstellung.

Der Augsburger Medienunternehmer Dr. Martin Huber ist einer der Protagonisten des neuen Geschäftsmodells. Im Presseclub München präsentiert der Geschäftsführer der Gogol Medien GmbH & Co. KG sein crossmediales Bürgerjournalismus-Portal MyHeimat, erläutert seine Vorstellungen von Leser-Blatt-Bindung im Internet-Zeitalter und stellt sich der Diskussion mit den BJV-Mitgliedern.

Die Domäne von MyHeimat sind Regionen, deren Medienlandschaft von einer Tageszeitung mit Lokalmonopol dominiert wird. Eine regionale Community von Amateur-Reportern stellt jeweils Texte und Bilder honorarfrei ins Internet. Aus den meistgelesenen Beiträgen sowie PR-Texten montiert eine Redaktion jeden Monat ein werbefinanziertes Heft, von dem in Schwaben und Oberbayern inzwischen 17 Regionalausgaben erscheinen.

Diskutieren Sie mit uns: Was bedeutet der Erfolg solcher Konzepte für die künftige Arbeit von Print-Journalisten? Wie ändern sich die Ansprüche der Leser an regionale Medien? Müssen Tageszeitungen Online- und Magazin-Know-how zukaufen, um etwa im Wettbewerb um junge Leser zu bestehen?

Die Veranstaltung findet am Dienstag, 3. Juli, im Presseclub München statt. Der Presseclub ist direkt gegenüber dem Rathaus, am Marienplatz 22. Der Eingang befindet sich in der Gastwirtschaft "Am Marienplatz" (früher "Zum Ewigen Licht"), dort benutzen Sie den Aufzug.
Beginn ist um 19 Uhr s.t.

Es laden Sie die Fachgruppen Online-Journalisten, Tageszeitungen und Zeitschriften des Bayerischen Journalisten-Verbands ein.

Bitte melden Sie sich per E-Mail kontakt at thomas-mrazek.de an.

Freitag, 22. Juni 2007

"Et es wie et es": Bierdeckeljournalismus bei DWDL

Das Medienmagazin DWDL lese ich an und für sich gerne (was sich hinter dem Kürzel DWDL verbirgt weiß niemand, mein Tipp: "Da wirst Du lachen"). Die Redaktion sitzt in Köln, ja, das ist wichtig. Als hehres Ziel nennt man die "Neudefinierung des Branchenjournalismus für die TV- und Medienwirtschaft". Immerhin existiert das Angebot, das von einer vierköpfigen Redaktion betrieben wird, seit fünf Jahren.

Gestern informierte DWDL über die neuesten Aktivitäten des Kölner Lokalsenders Center.TV: "Center.TV lässt Hobby-Reporter live berichten", hieß es in der Überschrift. Je nun, es folgt kein guter Text, der beginnt nämlich schon so: "Das nächste Große Ding [sic!] ruft die Centerstone AG (...) aus. Nachdem vom Nutzer generierte Inhalte zunächst zum revolutionären Kern der neuen Medienwelt erhoben wurden, setzt Zalbertus noch einen drauf (...)" Den Rest erspare ich den Lesern. Es könnte sich um eine Pressemeldung von Center.TV halten.

Was hat das nun alles mit "Bierdeckeljournalismus" zu tun? Nun, beim Medienforum NRW in Köln lagen im Biergarten Deckel einer örtlichen Brauerei rum, mit dem Aufdruck: "Et es wie et es. Sieh den Tatsachen ins Auge. (Das Kölsche Grundgesetz, Artikel 1)." Fein. Das Motto, "Et es wie et es", scheint auch für die DWDL-Berichterstattung über Center.TV der Maßstab zu sein.

Im oben erwähnten Artikel wird auf weitere Berichte zu Center.TV verwiesen. Unter anderem auf den Beitrag "Heimatsender center.tv ist in der Gewinnzone" vom 16. April 2007. Der Jubelartikel basiert auf einer der bizarrsten Pressemitteilungen, die mir bisher untergekommen sind: "center.tv übertrifft Erwartungen. Kölner Heimatfernsehen mit sehr guten Quartalszahlen." (PDF) Was ist so seltsam daran? Auf rund 2.000 Zeichen wird über folgendes berichtet: "ein hervorragendes Geschäftsergebnis", "einen deutlichen Anstieg der Werbebuchungen", "Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum [deutlich gesteigert]", "übertreffen seit Jahresbeginn sogar unseren Businessplan", "Erfolg, mit dem in diesem Umfang noch nicht einmal die Senderverantwortlichen von center.tv gerechnet haben", "viele Stamm-Zuschauer [gewonnen]", "enormen Bekanntheitsgrad" und so weiter und sofort. Das ist ja schön. Allein, es fehlen die Zahlen. Immerhin merkt sogar DWDL an: "Genaue Zahlen werden allerdings nicht mitgeteilt." Es wird überhaupt keine Zahl mitgeteilt. Hätte man vielleicht mal nachfragen können, aber unter Kölnern berief man sich wohl doch lieber auf das dortige Grundgesetz. Bierdeckeljournalismus halt.

Montag, 18. Juni 2007

“Hausfrauen vor verstaubten Gummibäumen, die sich ausziehen”

Aber hallo, was ist denn das für eine Überschrift. Wer redet denn über solches Zeugs. Habe ich gerade gelesen, beim seriösen Medienmagazin "DWDL" und die haben das heute beim Medienforum NRW in Köln gehört:
"Auch User Generated Content sieht Monika Piel [WDR-Intendantin, T.M.] eher kritisch. Er passe nicht in das Programmprofil des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Wenn sie entsprechende Portale anschaue, dann sehe sie vor allem "Hausfrauen vor verstaubten Gummibäumen, die sich ausziehen" [vermutlich meinte sie Hausfrauen, die sich vor verstaubten Gummibäumen ausziehen, aber so beckmesserisch möchte ich da mal nicht sein, T.M.] und ähnliches, so Monika Piel. Zudem sei die Seriösität der Informationen im Web oft nicht nachvollziehbar."
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich auch mal äußern, wie sich zuweilen das verbliebene Publikum oder andere Kollegen das Treiben in den Öffentlich-Rechtlichen Anstalten vorstellen. Die größten Elche sind selber welche: Ich hoffe, ich falle am Mittwoch beim Medienforum NRW im Panel Citizen Journalists - Demokratisierung oder Qualitätsrisiko? nicht durch ähnliche Aussagen auf.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Neue taz.de: Det war nüscht

"Wir haben die tageszeitung im Internet noch mal neu erfunden", verkünden heute die offenbar sieben Mitstreiter, die taz.de erneuert haben. Das Online-Angebot sei nun "nun schneller, informativer und lesefreundlicher geworden".

Mein erster Eindruck: Das geht überhaupt nicht! Ich finde mich nicht mehr wie gewohnt zurecht, alles so bunt, so beliebig, so unsortiert hier. Das berühmte, reflexhafte "Vorher war eh alles besser". Vielleicht bin ich da zu emotional, zu konservativ - die "taz" hat vor gut 20 Jahren wesentlich zu meiner politischen Sozialisation beigetragen, ich habe sie - oder sie hat mich - mal mehr, mal weniger durch die Jahre begleitet. In letzter Zeit eher weniger. Und zumeist "nur" im Internet.

Okay, die Macher haben sich ja auch etwas bei dieser Sache gedacht. Ganz subjektiv betrachtet, hat sich das Angebot aber verschlechtert und vor allem bezweifele ich, dass sich der erhöhte Aufwand für die "taz" rechnet. Aber das ist wie gesagt "nur aus dem Bauch heraus". Etwas sachlicher ist das Interview, dass ich mit dem Online-Projektleiter der "taz", Mathias Bröckers, im April 2006 zu den Web-Plänen der "taz" geführt habe.

Nachtrag 14.06.07, 13 Uhr
Am Wichtigsten sind nach dem Neugestalten einer solchen Seite natürlich die Reaktionen der Leser. Bisher überwiegt im Leserforum die negative Kritik.

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i-favoriten - 2018/08/18 06:11
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Hardy Prothmann entschuldigt sich https://www.facebook. com/hardy.prothmann/posts/ 10152634060500489 Ein...
Sven Temel (Gast) - 2014/08/21 08:11
Wow
Ich habe dieses Werk erst kürzlich entdeckt und war...
Leser (Gast) - 2013/09/04 20:59

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