Medien 2.0 – Journalisten-Workshop der Bundeszentrale für politische Bildung

Bei der oben genannten Veranstaltung am 28. / 29. September 2006 in Frankfurt am Main moderiere ich die u.a. Podiumsdiskussion. Das Programm der ganzen Veranstaltung finden Sie bei bei der Bundeszentrale für politische Bildung; außerdem gibt es bei iDemokratie ein Weblog. Auf meiner Seite finden Sie weitere Materialien zum Thema Bürgerjournalismus.

Potenzial 2.0 – eine Bestandsaufnahme
Realität, Wirtschaftlichkeit und Zukunftsmusik von bürgerjournalistischen Formaten


Teilnehmer: Moderation:
Thomas Mrazek, Onlinejournalismus.de

Intro

Die Berichte über den Bürgerjournalismus aus den letzten Tagen irritieren mich ein wenig. Hierzu vier „Szenen“, die mir aufgefallen sind.
  • „Handelsblatt“-Reporter Thomas Knüwer diagnostizierte gestern in seinem Weblog Indiskretion Ehrensache bei einem Tagesthemen-Beitrag einen „pestilenzartigen Gestank, gemischt aus Angst und Arroganz“. Worum ging es? Die Tagesthemen beschäftigten sich in einem knapp dreiminütigen Beitrag am Sonntag (24.09.06, Video) mit Videos und Bürgerjournalismus im Netz. Knüwers Artikel trägt den Titel „Der Angstschweiß des Tom Buhrow“.
  • Keinen Angstschweiß sondern blanke Wut zeigte vor zwei Wochen in der ARD-Sendung Polylux (14.09.06, Video) der Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbands, Hendrik Zörner. Er vernichtete plakativ mehrere vergrößerte Leser-Reporter-Ausweise der „Bild“ – als handle es dabei um Teufelszeug. Tage zuvor hatte sich „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann wegen der Kritik an der Leser-Reporter-Aktion seiner Zeitung über die „unerträgliche Arroganz mancher Journalisten gegenüber ihren Lesern“, mokiert.
  • Etwas dezenter ging es zu Wochenanfang beim Zeitungskongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Warnemünde zu. BDZV-Präsident Helmut Heinen hielt den Begriff des „Bürgerjournalismus“ für „missverständlich“ und stellte fest: „Relevante Inhalte generieren, strukturieren, aufbereiten und die Debatten in allen Lebensbereichen moderieren (...) das ist ein kompliziertes und komplexes Handwerk, das nur von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten erledigt werden kann.“
  • Vom edlen Ansinnen der Verlegerzunft zum Abschluß noch ein Sprung zum Marxismus. Der als Schockwellenreiter bekannte Blogger Jörg Kantel richtete vor einigen Tagen „Eine Bitte an alle Journalisten“: „Könntet Ihr bitte daran denken, daß zur korrekten Verwendung des Begriffes Bürgerjournalismus (...) nicht nur der schreibende Bürger an sich gehört, sondern auch, daß der schreibende Bürger Besitzer (nicht Eigentümer!) der Produktionsmittel sein muß, mit denen er seinen Journalismus "produziert". (Das heißt – marxistisch gesprochen – er darf seinen Produktionsmitteln nicht "entfremdet" sein, aber Marxismus lernt man ja heute nicht mehr auf der Journalistenschule.) Dann würdet Ihr nämlich über diese unsäglichen Aktionen der BLÖD- und anderer Zeitungen, die den Bürger als billigen Content-Lieferanten mißbrauchen, nicht solch einen Blödsinn (Kantel verlinkt auf einige Medien, T.M.) schreiben.“
Die ausgewählten Beispiele wirken etwas pointiert, fast überspitzt. Aber sie deuten – vielleicht mal mehr, vielleicht mal weniger gut belegt – einige der Probleme an, die Medienmacher hierzulande mit dem Bürgerjournalismus haben. Eingangs erwähnte ich, dass mich diese Beispiele oder Szenen etwas irritieren. Ich möchte wieder Bodenhaftung gewinnen. Ich bitte die Teilnehmer der Podiumsrunde um ihre Definitionen des Bürgerjournalismus. Sicherlich lassen sich dabei auch einige positive Aspekte und Perspektiven dieser Formate herausarbeiten.

Weitere Materialien
hartensteyn (Gast) - 2006/10/01 17:16

Billiger Contentlieferant

Der Web 2.0 - Grundgedanke führt in der Old Economy zum Crowdsourcing: Die User sollen die T-Shirts oder Autos mitentwerfen, die sie dann selber kaufen. In einigen Blogs, nicht nur in der Fachliteratur, wurde aufgeworfen, z.B. bei ConnectedMarketing oder mW auch bei Robert Basic, dass 99 Prozent des Contents eben Mist und ein Prozent gut und brauchbar sind. So gehen leider auch die Verlage und Mainstreammedien an jenes Crowdsourcing ran, das Texte, Fotos und Nachrichten liefern soll und eben nicht Softwareverbesserungs- oder Designvorschläge. Meist ist es ein hilflos-unlustiges Sich-Anbiedern an einen vermeintlichen Hype, damit es bloß nicht heißt, das Konkurrenzblatt habe bereits Leserreporter und wir noch nicht. Es kommt darauf an, wie man es aufzieht: ich kann nicht an 12 Millionen Leser Leserreporterausweise verteilen, das ist eine Verarschung und ein BILD - Marketinggag. Ich stell Dir mal ne Gegenfrage: Wenn ich in meinem Blog z.B. den wichtigsten Kunst- und Museumsguru Wiens angreife, dann ist das doch ganz einfach Blogging und damit Bürgerjournalismus. Nur krieg ich nie die Leser, die ich in Portalen der auflagenstarken Zeitungen hätte. Und dort wird das vielleicht zensiert. Definition schwierig, wie ich oben bei Euch lese. Jeder Blogger, der es journalistisch angeht, ist ein Bürgerjournalist. Wozu soll ich mich z.B. in Österreich der dämlichen Tageszeitung "Österreich" als Leserreporter andienen?

Peter Schink (Gast) - 2006/10/02 08:59

hmmm....

@Hartensteyn: Die meisten schrebenden Bürger "dienen sich an", weil sie auf größeren Plattformen mehr Reichweite also mehr Publikum bekommen, wie durch die Eröffnung eines eigenen Blogs.

@Netzjournalist: Wie verhält es sich den eigentlich mit der Readers Edition? Ist das für Dich auch schon billige Content-Ausbeute?

Netzjournalist - 2006/10/02 09:55

"Billige Content-Ausbeute"

@ Peter Schink: Nein, die Readers Edition (RE) ist für mich nicht "auch schon billige Content-Ausbeute". Der Fall könnte aber noch eintreten, wenn sich dieses Modell wirklich mal als wirtschaftlich tragfähig erweisen sollte und die Mehrzahl der Autoren dabei für lau arbeiten würde.

Doch davon sind wir noch weit entfernt. Ich habe es bei der Veranstaltung am Donnerstag deutlich gesagt: Mir gefällt die Idee der RE nach wie vor, das große Problem sehe ich derzeit eher darin, dass das Themenpotpouri weder für die Leser noch für die Schreiber genügend Anreize bietet.
hartensteyn (Gast) - 2006/10/03 12:42

@ Peter ... hab das eher so gemeint: die Medienkonzerne bzw. Printherausgeber "biedern" sich teilweise an diesen Trend an, an den oft vermeintlichen Hype. Jedes Käseblatt will plötzlich "Leserreporter". Dahinter steckt oft nicht die Auseinandersetzung mit dem demokratischen Gedanken des Web 2.0, eher ein Werbegag bzw. es ist halt eine "neue" Methode der Leser-Blatt-Bindung. Was Du feststellst, ist ja richtig, dass eine trafficstarke Seite Dir bessere Möglichkeiten bietet, Deinen Text mehr Menschen zugänglich zu machen!
Jens-Olaf (Gast) - 2006/10/18 18:55

Beispiel Helmut Heinen: "Relevante Inhalte generieren". Tja, dann generiert mal weiter. Es gibt genug Themen, die könnt ihr nicht abdecken, die wollt ihr nicht abdecken, weil euer Relevanzbegriff im Wege steht.
Bevor es losgeht mit einem wie auch immer gearteten Bürgerjournalismus, verzettelt man sich in D wieder mit Grundsatzdebatten.

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