notabene

Dienstag, 17. Februar 2009

Twitter: Wider den redaktionellen Ernst ...

screenshot_twitter.com_abendzeitungRedaktionelle Selbstkritik bei der Münchner "Abendzeitung", allerdings lesen derzeit nur rund 370 "Follower" (vor drei Wochen waren es noch 35, ergänzte die "Abendzeitung" eben) das Twitter-Angebot der Boulevard-Zeitung. Ich betrachte das bislang eher als Klamauk; gehaltvolle inhaltliche Diskussionen lassen sich über Twitter nicht führen, wie die "Abendzeitung" und ich letzte Woche feststellen mussten (ja, ich habe dabei über die Stränge geschlagen).

Ich könnte mir vorstellen, dass es in einem halben Jahr viele Twitter-Angebote von Medien nicht mehr geben wird oder dass sie zumeist nur mehr oder weniger automatisch bespielt werden (sprechen wir Ende August doch noch mal darüber). Ich will die Bemühungen dieser Zeitung und anderer Medien damit aber auf keinen Fall in die Tonne treten, es ist insbesondere in Krisenzeiten löblich, wenn neue Dinge ausprobiert werden, da kann es ruhig auch mal etwas klamaukig werden. Zur Mahnung auch ein aktueller Twitter-Beitrag meines Kollegen Fiete Stegers: "Ob Twitter inzwischen weltweit schon mehr Arbeitsstunden gefressen hat als Solitaire?".

Für die Metaebene: In meiner Bookmark-Sammlung gibt es rund 150 Beiträge zu Twitter.

Freitag, 13. Februar 2009

Was mir gefällt: Heute HAZ.de

haz_de_relaunchSo, in einem Weblog darf es ja auch mal etwas subjektiver sein, mal schauen, ob "Was mir gefällt" sich in Zukunft auch mit Inhalten füllen lässt. Freilich soll das Ganze auch relativ kurz und wie gesagt auch mit etwas Bauchgefühl ausgestattet sein. Jetzt aber los: Ja, HAZ.de, der neu gestaltete (um das Wort Relaunch zu vermeiden) Online-Auftritt der "Hannoverschen Allgemeinen" gefällt mir gut.

Im Vorfeld: Nutzer mit einbezogen
Schon vor einigen Wochen konnte die Nutzer auf eine Beta-Version des neuen HAZ.de-Auftritts schauen, die Redaktion bat die Leser zu kritisieren. Wenn diese Kritik wirklich auch ernsthaft aufgenommen wurde, halte ich dies für eine sehr gute Idee (ähnliches praktizierte beispielsweise auch die "Badische Zeitung" vor einigen Monaten und sicherlich andere Zeitungen auch schon).

Was gefällt:
  • Übersichtliches und vor allem stets angenehmes Design (Agentur KircherBurkhardt)
  • Automatisch wechselnde und relativ großflächige Teaser auf der Titelseite und in der Rubrik Hannover.
  • Hannover ist eigentlich immer vorn (ja, lieber Leser, wir sind eine Regionalzeitung, hier bist Du zuhause und hier kennen wir uns aus, scheint die Botschaft zu lauten); auch die relativ weit oben platzierte Regionalkarte weist nochmals auf den Schwerpunkt von HAZ.de hin.
  • Das HAZ.TV wird am Seitenanfang platziert; über den Nutzwert der Montags bis Freitags jeweils um 16 Uhr ausgestrahlten Studiopräsentation könnte man freilich streiten.
  • Gelungene und einheitliche Typografie, auch bei den Artikeltexten wird zwischen serifenlos und mit Serifenschriften gut variiert (typografisch Bewandtere werden mich jetzt hoffentlich nicht des Dilettantismus überführen ...).
  • Übersichtliche Anordnung von Zusatzfunktionen wie Kommentieren, Weiterleiten, Drucken, Schriftgrößen, Lesezeichen-Dienste
    Artikel sind sauber aufgebaut, Zwischentitel, nutzwertige Bildergalerien im Textfluß, deutlich erkennbares Veröffentlichungsdatum vor der Überschriftenzeile (Beispiel)
  • Serviceangebote sind gut und leicht auffindbar auf jeder Seite platziert; gut erkennbare Icons
  • Großes Plus: Auf jeder Seite findet sich am Ende das Inhaltsverzeichnis (nix Neues nicht, aber aus unerfindlichen Gründen noch selten zu finden), auch hier überzeugt die gut durchdachte Sortierung.
  • Sprechende URLs sollen auch noch keinem Angebot geschadet haben.
  • Immerhin elf unterschiedliche RSS-Feeds können abonniert werden; für Neulinge wird noch mal erklärt, was es mit diesen "persönlichen Nachrichtentickern" auf sich hat.
  • Obendrein werden in der Rubrik Multimedia, die vielleicht etwas unglücklich benannt ist, alle multimedialen Angebote auf HAZ.de übersichtlich vorgestellt.
  • Die lange Matte von Kolumnist Ernst Corinth ist häufig in der rechten Spalte zu sehen - fein, eine Website, die mit dem "Netzgeflüster" eine gute Kolumne eines guten Autors zu bieten hat, kann gerne mit diesem Pfund wuchern (ähnlich praktiziert es die "Stuttgarter Zeitung" mit der Kolumne "Glaserei" von Peter Glaser).
  • Sinnvolle Einbindung von Leser-/Bürgerreportern mit dem bewährten Angebot von MyHeimat (wir berichteten); in den lokal bezogenen Rubriken wird auf diese Möglichkeit zum Mitmachen stets hingewiesen (Beispiel Rubrik Hannover). Die Rubrik MyHeimat scheint belebt zu sein und erscheint auch im angenehmen Design von HAZ.de.
  • Zusatzangebote (ich habe mich nur sporadisch umgeschaut!) wie TV-Programm oder Kindergartendatenbank (neben der Datenbank wird auch Google Maps eingesetzt) überzeugen; so kann HAZ.de eine gerne besuchte regionale Anlaufstelle im Netz werden.
  • Über den kleinen Fehlstart am Mittwoch berichtet man auch. Gut so.
Was nicht gefällt:
  • Zum Teil werden auf der Startseite unaussagekräftige Briefmarken-Teaserbilder verwendet (siehe dieses Beispiel).
  • Über den Nachrichtenticker könnte man streiten.
  • Autorennamen sind nicht verlinkt, keine Kontaktmöglichkeit (auf der wiederum sehr übersichtlichen Kontaktseite, findet sich neben den Kontaktdaten wenigstens ein Bild des Redakteurs; mit einer Kurzvita wäre es noch besser.Oha, wo finde ich denn die Online-Redaktion, oder ist die integriert?).
  • Die Mediadaten online fehlen wohl noch, es werden nur Online-Werbeformen präsentiert - eine Marginalie.
  • Aktuelles Hannover-Wetter auf jeder Seite ist schön und gut, doch hier hätte man gerne mehr (Hannover-Vorschau, Reisewetter etc.)
  • E-Paper-Seite noch im alten Design?
  • Online first im Lokalen gibt es wohl nur in homöopathischer Dosis (wie ist es in den anderen Ressorts?), immerhin kann man auf der Nachrichtenkarte sehen, welche Artikel aktuell oder von den Vortagen sind, außerdem sieht man dies natürlich auch auf der jeweiligen Artikelseite. Ob man damit mehr Leser online erreicht?
"Webpionierin" federführend?
HAZ.de dümpelt beispielsweise im AGOF-Angebotsranking noch unter ferner liefen. Das wird sich wohl leider auch nach dieser gelungenen Neugestaltung der Seite nicht von heute auf morgen ändern, doch für die kommenden Jahre sind die Hannoveraner mit diesem Angebot gut gerüstet.

Einem Twitter-Angebot der HAZ entnahm ich neulich, dass Martina Lenk die Geschäftsführung bei der für HAZ.de verantwortlichen Madsack Online GmbH & Co. KG inne hat. Lenk leistete bei der damals noch zu Burda gehörenden "Schweriner Volkszeitung" Pionierarbeit, denn dieses Blatt war die erste deutsche Tageszeitung im Netz (Start am 5.5.1995, Quelle [ohje?]: Wikipedia). Lenks Erfahrungsschatz und natürlich der Einsatz der anderen Kollegen hat sich offenbar bezahlt gemacht.

Und was meinen die Nutzer?

Ach, die Nutzer haben ja auch noch was zu sagen, ein HAZ.de Umfrage ergab folgendes: 32 Prozent stimmten für "Wahnsinn! HAZ.de sieht toll aus.", 21 Prozent für "Schick! Doch, das gefällt mir." und 48 Prozent haben die Option "Naja, so umwerfend ist der neue Auftritt nicht." angewählt. Je nun, was kann man auf solche Umfragen geben? Mir gefällt es!

Nachtrag 25.02.2009
Das Gleich in Grün gibt es bei der "Neuen Presse", Hannover, die auch zur Verlagsgruppe Madsack gehört.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Datenschutz auf die harte Tour: Das “Google-Porträt”

Das französische Magazin "Le Tigre" porträtiert unbekannte Internet-Nutzer und recherchiert dafür in sozialen Netzwerken. So publizierte das Magazin die Lebensgeschichte eines französischen Angestellten nur aufgrund öffentlich zugänglicher Quellen. Mit "Details über seine Reisen und sein Liebesleben", berichtet die "FAZ". Der Porträtierte sei "bleich" geworden, als er den Artikel las.

Der Artikel ist Auftakt einer Serie mit dem Namen "Google-Porträt". Im "FAZ"-Beitrag (mit Hinweis auf weitere Artikel zum Thema) heißt es weiter:
"Von ganz normalen Zeitgenossen werden die Informationen zusammengestellt, die sie selbst dem Internet anvertraut haben. Bei Facebook und anderswo. Die Naivität und der Exhibitionismus vieler Menschen seien grenzenlos, sagt ein Redakteur des "Tigre". Und will ihnen zeigen, was mit ihren Angaben geschehen kann."
Aus journalistischer Sicht halte ich diese Herangehensweise für gewagt, aber legitim. Letztes Jahr habe ich im Beitrag "Deckname Moser" über den Mißbrauch von sozialen Netzwerken bei der journalistischen Recherche berichtet.

Nachtrag 23.01.09
Medienrauschen berichtete bereits am 15.01.09 über das Thema: "ergoogelt, erfacebooket und erflickrt - wenn das Internet Dich besser kennt als Deine Mutter".

Mittwoch, 14. Januar 2009

Leser schreiben Geschichte

Von Thomas Mrazek

Auf dem Internet-Portal Von Zeit zu Zeit können Leser der „Stuttgarter Zeitung" seit September ihre Bilder und Erlebnisse aus dem 20. Jahrhundert veröffentlichen.

von-zeit-zu-zeit_stuttgarter-zeitung_screenshot

Wie war das als Queen Elisabeth II. mit ihrem Gemahl Prinz Philip 1965 im offenen Mercedes durch Stuttgart fuhr; wer kann sich noch an die legendäre Szenediskothek „Das unbekannte Tier“ erinnern? Die Geschichtswerkstatt Von Zeit zu Zeit der „Stuttgarter Zeitung“ bittet Zeitzeugen jeden Alters darum, unter www.von-zeit-zu-zeit.de in Wort und Bild darzustellen, wie sie das 20. Jahrhundert erlebt haben.

„Eigentlich wollte ich so etwas zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik machen und ein Buch dazu schreiben“, sagt Thomas Faltin, Lokal-CvD und stellvertretender Ressortleiter. Chefredakteur Joachim Dorfs fand die Idee gut und beauftragte Faltin und drei Kollegen doch so etwas für den lokalen Bereich zu konzipieren. Im April begann das Team, wobei sich eine Volontärin und ein freier Mitarbeiter in Vollzeit dieser Aufgabe widmeten. Faltin und seine Kollegin Hilke Lorenz arbeiteten neben ihrem Tagesgeschäft für das Projekt. Ferner beteiligten sich die Online-Redaktion und eine Multimedia-Agentur am Aufbau des Internet-Portals.

Bei Null angefangen

„Die größte kreative Herausforderung war es, dass wir bei Null angefangen mussten“, sagt Faltin. Neben technischen und organisatorischen Dingen mussten auch rechtliche Fragen im Vorfeld geklärt werden. Als Kooperationspartner konnte die Zeitung die Volkshochschule, das Haus des Dokumentarfilms und das Stadtarchiv Stuttgart gewinnen. Das Stadtarchiv lieferte vor dem Start der Website 500 Bilder, die Zeitung steuerte 60 eigene Artikel bei – so war bereits zum Start Anfang September ein sehenswertes Grundgerüst im Netz. In der Printausgabe erscheint die Werkstatt bis Ende November: täglich wird ein von Nutzern eingeschicktes Bild und seine Geschichte vorgestellt, außerdem erscheint jeden Dienstag eine Doppelseite zu einer Epoche Stuttgarts.

1.000 Besucher täglich
Das Konzept kommt an: „Etwa 1.000 Personen besuchen die Seite täglich“, berichtet Faltin. Die durchschnittliche Verweildauer betrage zehn Minuten, was ein außergewöhlich guter Wert für ein Medienangebot ist. Rund 1.000 Bilder und 40 bis 50 sehr persönlich gehaltene Zeitzeugentexte sind bislang eingegangen. „Die Erlebnisberichte belassen wir so, wie sie sind“, erläutert Faltin, „nur Rechtschreibfehler entfernen wir“. Vor allem die Altersgruppe von 30 bis 60 Jahren beteilige sich rege. Für Nicht-Onliner gibt es eine Annahmestelle in der Stadt, wo sie ihre Bilder und Texte abgeben können. Das Stadtarchiv wird alle eingestellten Fotos und Texte archivieren und für die Zukunft bewahren. „Es sind wirkliche Schätze dabei“, sagt Faltin. Vor allem freut sich der promovierte Historiker über Farbaufnahmen aus der Zeit des Dritten Reichs: „Diese Bilder geben einen authentischen Eindruck, wie es damals hier war.“ Aber auch die Fotos von Wohnzimmern im Zeitenwandel seien reizvoll. In erster Linie soll Von Zeit zu Zeit zur Leser-Blatt-Bindung beitragen, und so wird das Portal auch dauerhaft fortbestehen. In Veranstaltungen und Seminaren will die Zeitung mit den Kooperationspartnern das Projekt in Zukunft „weiter in die Stadt tragen“, sagt Faltin.

Dieser Artikel erschien im November 2008 in ähnlicher Form in der „Drehscheibe“ Herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Projektteam Lokaljournalisten (PLJ)

Weitere Geschichtsprojekte bei Tageszeitungen
(Auswahl, Sie können mich gerne auf weitere sehenswerte Projekte hinweisen; vielleicht werde ich das Thema noch etwas ausführlicher bearbeiten.)
  • Geschichte.
    „Mainpost", Würzburg

    Auszug aus der Eigenbeschreibung: "Ab sofort gibt es für alle, die sich für unterfränkische Regional- und Lokalgeschichte interessieren, ein neues Angebot auf mainpost.de. Zum Start dreht sich alles um die letzten Tage des alten Würzburg. In den nächsten Monaten kommen weitere historische Filme, Interviews mit Zeitzeugen, Audio-Podcasts und Fotos zu den Jahren bis 1948 hinzu."
    www.mainpost.de/geschichte
  • Frankfurt Story - Die Stadt. Die Menschen. Die Geschichte.
    "Frankfurter Rundschau"

    Auszug aus der Eigenbeschreibung: "Frankfurt Story will die alte Reichsstadt am Main zum Leben erwecken. Berühmte, berüchtigte und auch unbekannte Frankfurterinnen und Frankfurter erzählen hier über sich und ihre Stadt, Besucher beschreiben ihre Eindrücke - als Beteiligte, Augenzeugen, zeitgenössische Kommentatoren von Ereignissen, die die Stadt prägten."
    www.frankfurt.frblog.de
  • Einestages.
    Spiegel Online
    Zwar kein Projekt einer Tageszeitung, aber dennoch eine gute Blaupause für ähnliche Projekte.
    einestages.spiegel.de
    Siehe hierzu auch Artikel bei Onlinejournalismus.de, Interview mit dem Einestages-Projektleiter, Hans Michael Kloth: "Einestages: Gewicht wird sich verschieben".
Nachtrag 12.05.09
Von Zeit zu Zeit ist heute beim Grimme Online Award in der Kategorie Wissen und Bildung nominiert worden. Alle Nominierungen - u.a. Jens Weinreich, Hartplatzhelden, ByteFM - finden Sie unter: www.grimme-institut.de/html/index.php?id=918.

Dienstag, 13. Januar 2009

Oh Mey, "Abendzeitung" ...

Zwar ist das Münchener Boulevardblatt etwas spät dran (andere Medien waren schon im September so gefügig) mit der Präsentation der Mey-Herbst-/Winterkollektion im Rahmen der Kampagne "Me, MYseLf aNd MeY", aber elf mitunter heiße (naja) Bilder (unter anderem Sarah Wiener, Annett Louisan, Ralph Herforth) klicken die Nutzer an diesen kalten Tagen gerne durch. Einzige redaktionelle Leistung ist wohl das hingehauchte "Eine feine Sache!" beim letzten Bild, dort pappt auch noch mal schön das Mey-Logo drauf. Beim Deutschen Presserat kann man sich übrigens seit einigen Tagen über solche redaktionellen Meisterleistungen online beschweren.

Nachtrag
Auch fleißig beim Dessous- und Unterbux-Journalismus dieser Tage:

Mittwoch, 7. Januar 2009

Vergessen Sie die Medienkrise, Suite101 hat gute Nachrichten für Sie!

Journalisten aufgehorcht: "Berlin, den 7. Januar 2009. Auch in Zeiten der Medienkrise gibt es noch gute Nachrichten." Man möge mich einen notorischen Miesepeter zeihen, wenn ich sage, dass ich diesen Einstieg für misslungen halte. Aber es soll hier nicht um Geschmäcklerisches gehen.

Es handelt sich um eine Pressemitteilung von Suite101 (Zu den Anteilseignern von Suite101 gehören der deutsche Unternehmer Dr. Boris Wertz (u.a. Abebooks, Nexopia) und Burda Digital Ventures) und dort gibt es folgende "gute Nachrichten":
"Die deutsche Version des Online-Magazins Suite101 hat innerhalb des letzten halben Jahres ihre Reichweite annähernd verfünffacht. Im Dezember 2008 erreichte Suite101.de erstmals über eine Million Leser. 1,04 Millionen 'Unique Visitors' besuchten die Webseiten des erst im Februar gestarteten Magazins."
Wo oder wie diese 'Unique Visitors' validiert werden, wird leider nicht verraten, bei der AGOF findet sich Suite101 nicht.*

Keinerlei negative Auswirkungen durch die Medienkrise, ganz im Gegenteil ...
Egal. Glauben wir mal diese Zahlen. Ich will nicht unken, denn: "Entgegen mancher Unkenrufe zum Start befinde sich Suite101 schon jetzt auf bestem Wege, zum größten unabhängigen General-Interest-Online-Magazin im deutschen Sprachraum zu werden", heißt es weiter. Und - jetzt kommt's - es gibt noch mehr gute Nachrichten:
"Die vielfach beklagte Medienkrise habe für Suite101 keinerlei negative Auswirkungen – ganz im Gegenteil, sagt Westphal [Dirk Westphal, Chefredakteur von Suite101, T.M.]: 'Es wird zunehmend deutlich, dass gerade für freie Autoren und Journalisten das Internet eine große Chance ist, die man nicht verpassen darf.'"
Beim Besuch der Website von Suite101 findet sich gleich noch mal eine gute Nachricht unter der holprigen Überschrift: "Job als Journalist bei Suite101" - freilich handelt es sich dabei nur um einen "idealen Job den Sie nebenbei machen können" oder "eine perfekte Ergänzung zu anderen journalistischen Jobs."

Die große Chance auf 88 Cent im Monat
Wie die "große Chance im Internet" mitunter in der Realität aussehen kann, beschrieb der Freien-Referent des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Hirschler, im Frühjahr 2008 in seinem Blog: "Auf rund 88 Cent Einnahmen monatlich kommt ein freier Journalist monatlich bei der Online-Plattform suite101, obwohl er Dutzende von journalistisch erstklassigen Beiträgen in den Onlinedienst eingestellt hat." Wochen später nahm ich an einem Gespräch mit Chefredakteur Westphal teil, Ergebnis: "Westphal betonte auch, dass es Suite101.de nie darum gegangen sei, den Mitarbeitern Einkünfte zu vermitteln, die an die Standards hauptberuflicher Bezahlung heranreichten."

Die Pressemitteilung suggeriert aber eben diesen Eindruck, ich halte dieses Gebaren für unseriös. Aufbau und Sprache der restlichen Pressemitteilung erinnern mich übrigens an ähnlich übergeigte Phrasen in fiktiven PR-Meldungen aus Don Alphonsos Dotcomtod-Roman "Liquide", aber das muss wirklich ein Versehen sein, hier bewege ich mich schon wieder allzu sehr ins Geschmäcklerische hinein.

* Nachtrag 09.01.09
Aus den FAQs von Suite101:
"Warum weist Suite101 keine IVW- oder AGOF-Zahlen aus?
Diese Statistikdienste messen die Reichweite von Werbeträgern. Da Suite101 bislang klassische Bannerwerbung nur sehr geringem Umfang zulässt, ergibt eine IVW- oder AGOF-Messung für uns derzeit keinen Sinn. Besucherzahlen, die Suite101 veröffentlicht, beruhen auf dem allgemein anerkannten Statistikdienst Google Analytics."

Freitag, 2. Januar 2009

Problematisch? Bloggende Politiker auf journalistischen Websites

Am 27.18. Januar wird in Hessen gewählt. Der Hessische Rundfunk meldet heute, dass am 5. Januar sein "umfangreiches hr-online-Wahlangebot" unter wahl.hr-online.de starten wird. Als Besonderheit wird unter anderem erwähnt, dass Politiker ein Wahlkampf-Blog bei HR Online führen.

Und so wird es angepriesen:
"Den Wahlkampf aus Sicht derer erleben, die ihn führen: neue Perspektiven ermöglicht jetzt ein Blog, mit dem hr-online vom 5. Januar an die heiße Phase des hessischen Wahlkampfs begleitet. Fünf Politiker der im Landtag vertretenen Parteien führen gemeinsam und abwechselnd Tagebuch im Netz, über Persönliches und Politisches, über Termindruck und Standdienste, über Ärger mit Plakaten und die Freude am Diskutieren. Sie schreiben als Beteiligte und als Betroffene. Begleitet von den Kommentaren der Blog-Leser reflektieren sie die Ausnahmesituation eines kurzen, gedrängten Wahlkampfs kurz nach dem Jahreswechsel."
Solche Wahlkampf- oder Politiker-Blogs sind freilich nichts Neues. Bei Focus Online beispielsweise bloggen seit über drei Jahren Oswald Metzger, der mittlerweile für die CDU, oder die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Diese Politiker-Blogs sind mittlerweile nur noch im Hinterzimmer angesiedelt (über die Navigation habe ich sie nicht gefunden), als wäre diese Polit-PR mehr oder weniger peinlich.

Das neue Blog-Angebot des Hessischen Rundfunks halte ich ebenso für unangebracht: Es kann nicht Aufgabe einer journalistischen, zumal einer öffentlich-rechtlichen Seite sein, auf diese Art und Weise den politischen Diskurs in Gang zu bringen. Eine Frage die sich in diesem Superwahljahr öfters stellen wird. Klar will man nur so gut wie möglich informieren und zur Meinungsbildung beitragen, aber dass man sich dermaßen in die Nähe der handelnden Akteure begibt und ihnen so einen prominenten Raum zur Eigen-PR einräumt, kann doch wirklich nicht Sinn der Sache sein.

Nachtrag
Ein ähnliches Projekt bietet PHOENIX mit dem "MDB 2.0 das Bundestags-Tagebuch":
"Es liegt nahe, dass PHOENIX sich auch an neuen Formen der Berichterstattung über das Parlament und der medialen Kommunikationsvermittlung zwischen Bürger und Abgeordneten beteiligt."

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Online-Zuständigkeit des Deutschen Presserats ab 1.1.2009

Ab dem 1.1.2009 ist der Deutsche Presserat auch für journalistisch-redaktionelle Beiträge im Internet, sofern es sich dabei nicht um Rundfunk handelt, zuständig. Beschwerden können jetzt auch per E-Mal oder ein Beschwerdeformular eingereicht werden (bei Online-Beschwerden muss ein Screenshot beigelegt werden). Auf der komplett überarbeiteten Website des Presserats (jetzt unter einer info-Domain: www.presserat.info) dominieren zwar noch Abbildungen von Druckwerken, doch es wird für die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse wohl viel Arbeit im Online-Bereich zukommen. Allein, wenn man an die oftmals doch recht legere oder überhaupt nicht vorhandene Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten denkt. Interessant wird es auch sein, welche Wirksamkeit der Presserat in Zukunft entfalten kann.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Neues "Spiegel"-Watchblog

Mit dem Spiegelblog (Originalschreibweise: SPIEGELblog, Untertitel: "Kritische Analysen über ein deutsches Nachrichtenmagazin") startete nun neben der seit zweieinhalb Jahren existierenden Spiegelkritik (Originalschreibweise SpiegelKritik) ein zweiter Watchdog des Hamburger Nachrichtenmagazins. Der Spiegelblog wird von dem Hamburger Journalisten Torsten Engelbrecht betrieben.

"Ein Schwerpunkt der Kritik und der Analysen von SPIEGELblog liegen auf dem Wissenschaftsteil. Denn der Wissenschaftsteil ist in gewisser Weise Ausdruck für die Recherchestärke eines Mediums", beschreibt Engelbrecht sein Blog. Sein Ziel sei es unter anderem "die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, selbst Leitmedien wie dem SPIEGEL nicht blindlings Glauben zu schenken. In der Tat vertrauen selbst viele Journalisten von anderen Medien und Wissenschaftler auf das, was im SPIEGEL geschrieben steht".

Wissenschaftliches zu Watchblogs
In der aktuellen Ausgabe von Björn Brückerhoffs "Neuer Gegenwart" gibt es übrigens einen interessanten Aufsatz von Tobias Eberwein zum " Zum medienkritischen Potenzial der Blogosphäre" mit dem Titel: "Raus aus der Selbstbeobachtungsfalle!". In der Zeitschrift "Media Perspektiven" 11/2008 publizieren die Autoren Florian L. Mayer, Gabriele Mehling, Johannes Raabe, Jan Schmidt und Kristina Wied die "Befunde einer Onlinebefragung zur Nutzung und Bewertung von Bildblog": "Watchblogs aus der Sicht der Nutzer" (PDF, 6 S., 1,39 MB).

Update 22.12.2008 Zweifel über die Integrität des "Spiegel"-Watchbloggers Torsten Engelbrecht
Mario Sixtus weist in einem Twitter-Beitrag auf einen Artikel bei Esowatch über Torsten Engelbrecht hin. Das Spiegelblog und die darin behandelten Themen sind also mit Vorsicht zu genießen.

Sonntag, 16. November 2008

Blogs, Meinungsfreiheit, PR & Lügen: DFB vs. Jens Weinreich

Der freie Sportjournalist Jens Weinreich hatte im Juli im Blog Indirekter Freistoss in einem Leserkommentar den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet.
"Dagegen hatte Zwanziger vor Gericht geklagt und bis jetzt zwei Mal verloren, ein drittes Mal [wollte] er es offenbar in seiner Heimat Koblenz versuchen. Nun macht sein Verband aus dem Schmierenspiel eine einzige dummdreiste Lüge und fantasiert von einer diffamierenden Kampagne, die der Journalist angezettelt habe. Kein Wort von den verlorenen Prozessen, kein Wort davon, dass der Journalist nicht eingeknickt ist und keine Erklärung abgegeben hat, sondern bei seinem Wortlaut bleibt",
beschreibt Hal Faber in seiner Heise.de-Kolumne "Was war. Was wird." den Sachverhalt. Weiter heißt es dort:
"Vom DFB-Präsidenten ist dieser Satz unstrittig zitierbar: "Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer." Ein Verlierer will er auf keinen Fall sein, der Kommunikationsherrscher. Was ist eigentlich jemand, der zwei Gerichtsbeschlüsse unterschlägt? Macht ihn die Defraudation zu einem Defraudagogen?"
Wer den ganzen Sachverhalt noch mal nachlesen will (es lohnt sich wirklich!), möge die folgenden Quellen nutzen. Die Sache bietet viel Materie für Lehrbücher oder Seminare: Ob - wie zuletzt - völliges PR-Versagen, Medienethik, das Ausreizen der Meinungsfreiheit oder irrationale Ängste vor der Internet-Kommunikation. Und alle Quellen sind so weit als möglich für jedermann zugänglich.
  • Oliver Fritsch, Betreiber von Indirekter Freistoss, fasst den aktuellen Stand noch mal in dem Beitrag "Die Lüge[n] des DFB" zusammen.
  • Der aktuellste Beitrag von Stefan Niggemeier zum Thema heißt "DFB: Diffamieren statt Klagen" und bietet einen guten Überblick.
  • Auch Kai Pahl, allesaussersport, kommentiert den Vorgang ausführlich und kommt neben der Diagnose irrationaler Internet-Ängste bei der DFB-Spitze um Zwanziger zu der Erkenntnis: "Die Drei von der DFB-Stelle und ihr Cheffe besorgen sich die Selbstdemontage derzeit selber. Profitum sieht anders aus". Pahls Artikel trägt den Titel: "Befreit Theo Zwanziger!".
  • Größtmögliche Transparenz zu der Geschichte versucht der Hauptbetroffene, Jens Weinreich, in seinem Blog zu vermitteln, im aktuellsten Beitrag "Die Lügengebilde des DFB" nimmt Weinreich akribisch die vom DFB gegen ihn erhobenen Vorwürfe auseinander: "Ich zähle: 18 Lügenkomplexe, denen ich vorerst 62 Wahrheiten entgegen stelle."
  • Wer sich zuerst beim DFB ein Bild von der Sache verschaffen will, findet auf dessen Homepage den Artikel: "DFB missbilligt Diffamierung von Dr. Theo Zwanziger".
  • Weitere Blog-Beiträge zum Thema bei Google Blogsuche und Technorati. Gespannt darf man sein, ob und wie andere Medien darüber berichten werden, die bisherigen Treffer bei Google News sind noch etwas mager.
Update 16.11.2008, 16 Uhr
"Qualitätsjournalismus" pur: "Welt am Sonntag"-Redakteur Ralf Köttker übernimmt die DFB-Kampagne, berichtet Stefan Niggemeier in seinem Beitrag "'WamS' macht sich zum Komplizen des DFB".

Update 16.11.2008, 20 Uhr
1. Jens Weinreich bietet jetzt einen "Webweiser durch den Lügendschungel" an:
"Um Ihnen die Einarbeitung in das Thema DFB ./. Weinreich etwas einfacher zu machen, habe ich diesen kleinen Webweiser mit derzeit 34 Links zu anderen Blogs, Medien, Webseiten und Blogmedien erstellt. Die wichtigsten Dokumente finden Sie dort auch. Ich nenne das Transparenz und benutze damit ein Fremdwort, das sich manchen erst mit Hilfe des Dudens erschließt."
2. Beim Deutschlandfunk gibt es einen 8:42 Minuten langen Kommentar von Jürgen Roth mit dem Titel "Der ungläubige Demagoge Dr. Theo Zwanziger" (Weinreich merkt auf seinem Weblog in einem Disclaimer an: "Ich arbeite als freier Journalist auch für den Deutschlandfunk.").

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