Freitag, 7. Dezember 2007

Kalte Füße: Sueddeutsche.de “friert” Kommentare zeitweise ein

In einem Artikel in eigener Sache, "Diskussion braucht Qualität", heißt es bei Sueddeutsche.de heute: "Die Nutzung der Kommentar-Funktion auf sueddeutsche.de ist rapide angestiegen. Damit die Qualität der Debatte erhalten bleibt, werden die User-Kommentare künftig stärker moderiert."

An Wochentagen würden rund 2.000 Kommentare eingeschickt, bisher habe man - neben der "Petz"- und Wertungsmöglichkeit von Seiten der Nutzer - zurückhaltend moderiert, dies genüge nun aber nicht mehr: "Insbesondere nachts und am Wochenende gehen zuweilen Kommentare online, die mit einer sinnvollen Form von Meinungsäußerung nichts mehr zu tun haben."

Jetzt wird "eingefroren":
"Deshalb werden wir die Kommentarfunktion ab sofort zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens einfrieren. Das bedeutet, dass in dieser Zeit auf sueddeutsche.de keine Kommentare publiziert werden können. Dieser "Freeze“ gilt auch für die Zeit am Wochenende - zwischen Freitag, 19 Uhr, und Montag, 8 Uhr - sowie für Feiertage."
Die bisherigen Reaktionen der Nutzer sind überwiegend negativ. Vielleicht sollte die Redaktion über eine bessere Lösung nachdenken.

Die "kalten Füße" bei den Münchnern sind verständlich. Vermutlich hängt diese Entscheidung mit einem vor drei Tagen ergangenen Urteil des Landgerichts Hamburg gegen den Blogger und Journalisten Stefan Niggemeier zusammen. Danach müssen Blogger bei "brisanten" (sic) Themen Kommentare vor der Veröffentlichung kontrollieren.

Niggemeier kommentierte das Urteil unter anderem so:
"Würde sich das Rechtsverständnis des Hamburger Landgerichts, wie es sich in vielen Entscheidungen zeigt, durchsetzen, wäre das das Ende der offenen Diskussion in Foren, Blogs und Online-Medien. Denn das Risiko, ein Forum oder ein Blog zu betreiben, das sich in irgendeiner Form mit heiklen Themen oder dubiosen Geschäftspraktiken befasst, wäre viel zu groß."
Niggemeier kündigte an, Berufung gegen dieses Urteil einzulegen. Einen ausführlichen Überblick zur so genannten Forenhaftung bietet Spiegel Online.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

“Abendzeitung” und Video: “Hauptsach mir san in d’ Schickeria”

Zum Thema Zeitung und Video resümierte der Berater und Dozent Christian Jakubetz kürzlich in seinem Blog: "Das, was viele machen, sieht inzwischen weitaus besser aus als die ersten Gehversuche mit wackeligen Kameras, ohne Vertonung und irgendwie absurden Geschichten." Da stimme ich ihm zu. Negativbespiele gibt es aber weiterhin.

Es scheint immer die gleiche Variante zu sein: Redakteuren wird eine Kamera in die Hand gedrückt: Macht mal! Ist gar nicht so wichtig, was dabei rauskommt, wir probieren das jetzt einfach mal aus. "Hauptsach mir san in d' Schickeria" (Ohrwurm der Spider Murphy Gang), lautet denn wohl auch das Motto der Münchner "Abendzeitung". Man will halt allzu gerne bei den Großen dabei sein.

Neben Personalquerelen (der bisherige Chefredakteur Michael Radtke und Vize Torsten Fricke verliessen das Blatt im November) und sinkenden Auflagen kämpft das Boulevardblatt auch mit dem Internet. Vor einem Monat suchte der Verlag einen Online-Volontär mit dem Profil der berühmten "eierlegenden Wollmilchsau", freilich gibt es meines Wissens bisher nicht mal eine Online-Redaktion. Fraglich ist andererseits, wie sich dies mit der Kooperation mit der Berliner Netzeitung vereinbaren lässt (wir berichteten).

Seit rund einem Jahr bietet die Zeitung auf ihrer Website Zoom.in-Videos an - mehr oder weniger Massenware ohne großen Nutzwert für Anbieter und User. Dieses Material ist laut einer Information des Bundesverbands Deutscher Zeitungs-Verleger (BDZV) übrigens kostenlos für die Betreiber: "Finanziert wird das Angebot über integrierte Werbung in den Videoclips, wovon aber nur Zoom.in profitiert."

Ende November erschien der erste selbstproduzierten Video, ein Blick in die Kabine eines Eishockeybundesligisten. Die Qualität ließ in jeder Hinsicht zu wünschen übrig, peinlich war es, dass in dem Beitrag auch über eine Verteilaktion der Zeitung berichtet wurde. (Der Autor des Filmbeitrags liefert ansonsten in der gedruckten Zeitung durchaus passable Artikel.)

Zwei Wochen lang war dann Sendepause. Heute wurde in der Zeitung auf ergänzende Filme zu einer Werkführung bei BMW hingewiesen. In vier jeweils rund 20 Sekunden langen Filmchen sind "Maschinen in Aktion" zu sehen, für den Ton sorgt die Werkhallen-Atmosphäre - damit soll wohl dokumentarische Authenzität erzeugt werden. Für meinen Geschmack, phantasielos und mit geringen Informationswert.

Obendrein scheint die Zeitung mit Verlaub gesagt ein sehr kuscheliges Verhältnis zu dem Konzern zu pflegen, was sie wohl mit diesen "Hightech-Videos" unterstreichen wollte. Ganz so daneben wie im Frühjahr, als die "Titanic" auf zwei Seiten ein serviles Interview des damaligen Vizechefredakteurs Fricke mit einer BMW-Führungskraft auseinandernahm (Zitat zur journalistischen Haltung Frickes: "Also, rein ins Arscherl."), waren diese Beiträge nicht. Dennoch fällt mir wiederholt die BMW-freundliche Haltung der "AZ" negativ auf. Solche "Mätzchen" lässt sich der Leser in Print oder Online nun mal nicht mehr gerne gefallen.

Zurück zum Video-Geschäft: Videos von bescheidener Qualität animieren in den seltensten Fällen zu weiteren Besuchen dieser Rubrik oder der ganzen Website. Wie könnte man es besser machen? Vielleicht im stillen Kämmerlein experimentieren, bis man einen gewissen Standard erreicht hat; "externen Sachverstand" hinzuziehen (eher zwiespältig aus meiner Sicht, aber es sind ja nicht nur schlechte und teure Berater unterwegs); Personal auf entsprechende Fortbildungen schicken (aus vielerlei Gründen auch nicht unbedingt der Königsweg) - eine Kombination dieser Maßnahmen kann zielführend sein, natürlich muss man dafür Geld in die Hand nehmen. Auch eine Möglichkeit ist es, mit einem kompetenten Partner zu kooperieren, wie es Anfang Dezember etwa die "Frankfurter Rundschau" ankündigte, die im Online-Bereich in Zukunft mit dem Regionalsender Rheinmain-TV arbeitet: "Statt einem Printjournalisten eine Kamera in die Hand zu drücken, setzen wir auf die Kooperation mit Fernsehprofis", sagte hierzu "FR"-Chefredakteur Uwe Vorkötter in Horizont.net.

Weitere Links

bei onlinejournalismus.de: im Internet:

Morgen kommt der Weihnachtsmann... auf Deinem Handy

Eigentlich wollte ich mich nicht am Anja-Tanja-Bashing beteiligen, aber wer so brummkreiseldumme Betreffzeilen schreibt, hat es schon mal verdient:
"Medieninformation qeep: Morgen kommt der Weihnachtsmann.auf Deinem Handy"
Absender: Piabo, Berlin

Mittwoch, 28. November 2007

Gänsehaut, lawinenartig

"Völlige Dunkelheit, aus den Lautsprechern dröhnt der Song „You’ll never walk alone“. Gänsehaut durchzieht das Publikum lawinenartig. Plötzlich kippt die Stimmung in absolute Extase."
Quelle: "Münstersche Zeitung Online", 27.11.07

DJV lädt zur Diskussion “Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www” ein

Nachdem der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, sich kürzlich mit seinen umstrittenen Äußerungen über Blogs einige Kritik von Bloggern und Journalisten anhören musste (siehe Onlinejournalismus.de: “Müll von Qualität trennen”: Rede des DJV-Bundesvorsitzenden), gibt es am 10. Januar 2008, 19 Uhr in Berlin-Mitte Gelegenheit unter anderem mit ihm darüber zu sprechen. Hier der Text zu der Veranstaltung "Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www":

Brauchen Online-Medien klar umrissene journalistische Grundregeln, vergleichbar dem Pressekodex für Zeitungen und Zeitschriften? Welche Rolle spielt Qualitätsjournalismus im Internet? Welche Bedeutung kommt im journalistischen Alltag den Blogs zu? Diese Fragen werden vor allem in Internetblogs immer wieder sehr strittig diskutiert. Der DJV will die Diskussion öffentlich mit Medienexperten und Praktikern führen. Über den Journalismus im world wide web diskutieren am 10. Januar unter anderem DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, Hans-Ulrich Jörges vom Stern, Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Universität Dresden, Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog und der Blogger Don Alphonso.

Bitte lassen Sie uns bis spätestens 21. Dezember 2007 per E-Mail an djv@djv.de wissen, ob Sie an der Podiumsdiskussion teilnehmen möchten. Weitere Details zu der DJV-Podiumsdiskussion teilen wir zu einem späteren Zeitpunkt mit.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Kongress „Wem gehört das Internet? – 20 Jahre Vernetzung" – 16./17.11. in München

Ich erlaube mir auf eine Veranstaltung am 16. und 17. November in München hinzuweisen, an der ich auch teilnehme. Mein Beitrag trägt den Titel: „Blogs und Bürgerjournalismus – nur Nadelstiche?".

Auszug von der Website:
„20 Jahre Vernetzung von unten: Vordenker aus Gewerkschaften, Sozialdemokratie und Neuen Sozialen Bewegungen waren die ersten, die sich mit den Neuen Medien nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch beschäftigten. Bereits 1987 entstand in München mit dem CL-Netz das erste Grassroot-Netzwerk online, damals noch über Telefonnetz, unter der Devise: „Dial locally, act globally“.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Deutsche Journalisten-Union/verdi, das Bayerische Seminar für Politik e.V., Kommunikation und Neue Medien e. V., Link-M und die Journalistenakademie laden deshalb ein zu '20 Jahre Vernetzung' ins DGB-Haus in München.

Anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums des CL-Netzes beschäftigt sich der Kongress „Wem gehört das Internet?“ mit den Entstehungsbedingungen und Entwicklungen Sozialer Software und politischer Vernetzung online. Auf dieser Basis entwickelt er Visionen für die aktuellen Hypes."

Anmeldung und weitere Informationen unter www.wem-gehoert-das-internet.de.

Freitag, 19. Oktober 2007

Vermeintlicher Abgesang der deutschen Blogosphäre

In Bloghausen nimmt die Zahl der Touristenbusse ab. Das ist alles …

Blogger Chat Atkins in der Blogbar

alles finden

 

alles draußen

Diigo

alles neue

Wo geht’s lang im Online-Journalismus?...
Dieses Blog ruht. Etwas. Natürlich biete ich Ihnen...
Netzjournalist - 2026/03/07 06:32
ich
Das Blog Thomas Mrazek ist der +++ netzjournalist...
Netzjournalist - 2026/01/21 18:10
Quellen finden ist nicht...
Es wird mit der Zeit immer schwieriger, gute Nachschlagewerke...
i-favoriten - 2018/08/18 06:11
Hardy Prothmann entschuldigt...
Hardy Prothmann entschuldigt sich https://www.facebook. com/hardy.prothmann/posts/ 10152634060500489 Ein...
Sven Temel (Gast) - 2014/08/21 08:11
Wow
Ich habe dieses Werk erst kürzlich entdeckt und war...
Leser (Gast) - 2013/09/04 20:59

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Online seit 7785 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2026/03/11 07:32

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