Bildet Blogs! – Blog- und Presseschau zum Grimme Online Award

grimme-online-awardFangen wir mal sachlich an. Die meisten Medien nudeln lustlos Agenturmeldungen ab. Das brauchen wir nicht. Danke. Macht weiter so, Ihr werdet schon sehen, wo Ihr bleibt, möchte man manchen naseweis zurufen. Höflich verneigt sich Götz Hamann bei ZEIT.DE vor den Machern des BILDblogs: "Wer Bildblog liest, kann sich wirklich eine Meinung bilden – über die Bild-Zeitung".

sueddeutsche.de bietet exklusiv für die Online-Ausgabe ein interessantes Interview mit dem Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger: "Die Experimentierfreude hat gelitten". Neuberger ist seit drei Jahren Mitglied der Jury des Grimme Online Awards. Ob die Preisträger profitieren, fragt Arno Makowski, Neuberger ist skeptisch. In der Print-Ausgabe, die wiederum nicht online ist (damit sich wenigstens beide auf ein Medium kaprizierte Lesergruppen irgendwie ärgern können ...), feiert Makowsky zumindest in der Unterüberschrift die "Weblogs als die großen Gewinner".

Ein bisserl enttäuschend ist die "taz" heute, nur im Medienticker werden die Preisträger erwähnt. Vielleicht befürchteten die "tazler" Selbstbeweihräucherung ihres BILDbloggers Christoph Schultheis zu betreiben. Vor drei Wochen hatte die "taz" das BILDblog eh schon ausführlich zum Favoriten erkoren.

"Enteignet Springer!"
Fast wie ein Kampfaufruf mutet die Überschrift eines Artikels in der "Berliner Zeitung" an: "Bildet Banden!"" "Bloggt 'Bild'!", heißt es dort. Kein Wunder, dass Autorin Susanne Ehlerding Rudi Dutschke und Günter Wallraff (den Günter bitte ohne "h", Frau Ehlerding!) erwähnt. Kämpferisch gewagt klingt auch der Satz: "Aber Bild verfälscht, übertreibt, manipuliert natürlich noch immer." Derzeit möchte ich nicht in Kai Diekmanns Haut stecken.

Wiki wie immer
Wikipedia bleibt sich selbst mal wieder auch in den größten Stunden treu: Die Pressemeldung zum Gewinn des Grimme Online Award kann von jedermann editiert werden; der Beitrag in der Enzyklopädie zum Grimme Online Award ist selbstverständlich schon aktualisiert. Bravo! Großes Parteitagsklatschen für den Journalisten Stefan Niggemeier, der in einem sehr bemerkenswerten Gastbeitrag bei onlinejournalismus "Vom Glück, BILDblog zu machen" erzählt.

"Grimme macht es jedem recht" ...
... ramentert Peter Giesecke bei netzausfall (übrigens meine Blog-Neuentdeckung des Tages!): "Bei Film-Festivals wird dieser fürs Lebenswerk vergeben, weshalb ihn auch niemand haben will, weil er eigentlich besagt, dass man seine beste Zeit schon hinter sich hat. Und tatsächlich ist Spiegel Online mit seinen zehn Jahren auf dem Buckel der Opa unter den Preisträgern".

Kaum Senf aber eine Banane bei IT&W
Bei Industrial Technology & Witchcraft bleibts erstaunlich ruhig: Als einer der ersten verkündeten die IT&W-ler das Ergebnis und beim Kommentar-Senf gab es einen Minusrekord: einmal wurde bis jetzt nur gesenft! Dafür servierte man am Freitag eine neue Banane für Spiegel Online garniert mit einem Jury-Zitat.

Hände überm Kopf
Fatalistisch ist Medienrauschen: "Grimme Online: Nu isses passiert ...", seufzt Jörg-Olaf Schäfers. Und er tut dies wie immer gekonnt und unterhaltend. Nebendran zündet Thomas Gigold noch ein Kerzchen in eigener Sache an, nicht ohne zu erwähnen, dass dieses Blog 2004 von der Deutschen Welle als bestes journalistisches Blog ausgezeichnet wurde: Medienrauschen feiert sein ersten Geburtstag. Gratulation auch hierzu!

Kurz und sachlich gibt sich mein onlinejournalismus.de-Kollege Roman Mischel im Logbuch dieses Magazins, er folgert aus den Begründungen der Jury, "dass das ZDF in Deutschland zurzeit führend ist bei der multimedialen und webgerechten Umsetzung komplexer Themen". Von Roman stammt übrigens auch die obige Grafik. Süffisant kommentiert er die Auszeichnung von Spiegel Online. Curios Creatures kritisiert die fehlende Kommentarfunktion und Blogroll beim BILDblog. Ich habe daraufhin die vorhandene Kommentarfunktion bei Curios Creatures ausführlich genutzt. (-;

Sixtus' Impressionen
Ein paar Bildchen und eine überraschende Erkenntnis liefert Mario Sixtus, der auch 2005 zur Nominierungskommission gehörte. 2004 lieferte Mario übrigens eine lustige Geschichte über seine Arbeit für dieses Gremium.

Und wo ist Behle?
Und wo ist Behle Don Alphonso? Der meckert nur in einer Fußnote zu meinem Seminar ein wenig über Spiegel Online. Und Hal Fabers Was war. Was wird. gibt's erst morgen. Und wie man IHN kennt, wird er sich entweder einen Dreck um den Grimme Online Award scheren oder ihn gepflegt durch den Kakao ziehen.* Weitere Kommentare aus der Blogosphäre finden sich bei Blogstats und Technorati.

Vorsicht mit diesem Pokal!
An dieser Stelle noch mal Gratulation an alle Preisträger! 2003 als wir, die Redaktion von onlinejournalismus.de, diesen Preis in der Kategorie Medien-Journalismus erhielten, waren wir stolz wie Schneekönige. Leider beschädigte ich das gute Stück bei einer Zugfahrt ein wenig. Man kann ja nicht überall (hust) fingerfertig sein. (-;

* Nachtrag 03.07.05: Die "preisgekrönte Edelentenproduktions-Website Spiegel Online" spricht für sich ...

Nachtrag 04.07.05: Fabian Mohr lobt in seinem notebook onlinejournalismus die kritische Würdigung von Spiegel Online durch die Jury, bei anderen Preisen werde jedoch wesentlich schärfer kritisiert.
mow - 2005/07/02 21:25

Mein eigentlicher Kommentar zum GOA war vom Tag vorher. Mein "Gemaule" über den Bildblog ergab sich aus dem SZ-Interview.

Marc

bizwriter - 2005/07/04 15:04

ein hoher ARD funktionaer hat mal gesagt:

"wenn du den grimme preis bekommst, musst du dich fragen, was du falsch gemacht hast."

Netzjournalist - 2005/07/04 15:55

@BIZWRITER: Das ist natürlich eine Anschauungssache; ähnlich äußerte sich übrigens Christoph Neuberger in dem oben genannten Interview mit sueddeutsche.de:

SZ: Profitieren die Preisträger denn selbst davon? Fernsehmacher, die Grimme-Preisträger sind, werden ja überall hofiert.

Neuberger: Das schon, aber es gibt auch eine andere Seite. Wir haben eine Untersuchung gemacht, bei der sich gezeigt hat, dass sich der Preis für einige Fernsehmacher auch negativ ausgewirkt hat. Die mussten sich anhören: Der kann nur für Arte einen Kunstfilm drehen, der ist nicht kommerziell genug. Wie sich das beim Online-Preis entwickelt, wird sich zeigen.
che2001 - 2005/07/08 18:43

Wohltuender Beitrag. Danke dafür!

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