Fairpress.biz – blogartiges "Rechtfertigungs-Portal"

Mit Fairpress.biz gibt es seit heute ein Online-Angebot, das "Betroffenen einer Berichterstattung die Möglichkeit gibt, sich öffentlich zu wehren, ein jurististisches Vorgehen anzukündigen und über erzielte Erfolge vor den Gerichten zu berichten" (aus der Eigenbeschreibung). Herausgeber ist der frühere "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel, als Geschäftsführer und redaktionell Verantwortlicher fungiert der ehemalige Bild Online-Verantwortliche Michael Bogdahn.

Die Veröffentlichungen auf dem Portal sind – anders als der "Tagesspiegel" heute schreibt – "grundsätzlich kostenpfllichtig, um die Kosten zu decken", heißt es auf der Website. "Gleichwohl behält sich Fairpress.biz vor, in begründeten Fällen auf eine Vergütung zu verzichten." Nur die Ankündigung einer Gegenrede ist kostenlos. Die Preise haben es freilich in sich, bei 250 Euro für die Gegenrede einer Privatperson (maximal 2000 Zeichen) fängt es an.

Das neue Portal, bei dem noch ein weiterer ehemaliger "Bild"-Redakteur und der Hamburger Rechtsanwalt Christoph Meyer-Bohl laut "Tagesspiegel" dabei sind, weckt nicht nur wegen der "Gegenrede-Tarife" schon am ersten Tag den Argwohn der Blogger. dogfood schreibt sehr ausführlilch bei blogbar u.a.:
"Des Pudels Kern dürfte eher im vorletzten Absatz der Selbstdarstellung stehen.

Zudem ist Fairpress.biz ein Marketingtool für Rechtsanwälte, um über erzielte Erfolge zu berichten.

Warum nicht gleich so und stattdessen ehemaligen BILD-Redakteuren Begriffe wie “Fairness” schwallen lassen? Ich gehe jetzt kotzen."

Skeptisch stimmte mich nach dem ersten Blick auf das Portal, dass der "taz"-Artikel: "Simonis stoppt 'Bild'" von heute noch nicht auf der Seite war. Auf meine Anfrage teilte mir Bogdahn mit, dass die Redaktion wegen einer Pressekonferenz nur bedingt einsatzfähig gewesen sei: "Die taz-Story wird natürlich bei uns redaktionell berücksichtigt."

Medienschaffende und Studierende sollten die Seite, die auch einige grundsätzliche Informationen zum Presserecht bietet, auf dem Radar haben.

Nachtrag 03.05.2005

Industrial Technology & Witchcraft meint unter der Überschrift "Vampire der Journaille": "Ja, so kann’s klappen mit dem Online-Journalismus: erst verleugnen, und dann aus der Gegendarstellung ein Biz machen."

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